Motorradtour in die Bretagne vom 31.05. - 14.06.2018

 

Vorwort:

 

Nachdem wir schon seit vielen Jahren die Absicht haben, mit dem Motorrad in die Bretagne zu fahren und dies aus unterschiedlichsten Gründen bislang immer nicht geklappt hat, war es dieses Jahr endlich soweit. Eine längere Tour bedarf natürlich gewisser Vorbereitungen und nach dem Studium zahlreicher Reiseführer hatten wir uns ein grobes Rahmenprogramm gesteckt, wohl wissend, dass sich nicht alles realisieren lässt und wir uns auf kurze Stippvisiten beschränken mussten.

Vieles lässt sich in diesem Reisebericht einfach nicht beschreiben, die einzelnen besuchten Orte geben soviel her, so dass ich einige "Links" gesetzt habe, um dem interessierten Leser noch den Zugang zu einigen Zusatzinformationen zu geben.

 

1. Tag: Bielefeld - Aachen                      (Karte)
365 Kilometer

Am 31. Mai, morgens um kurz vor sechs Uhr ging es bei angenehmen Temparaturen los. Nach einer kurzen Autobahnfahrt über die A 33 ging es durch das Sauerland. Kurz vor Lennestadt machten wir in einer kleinen Bäckerei eine Frühstückspause.
Über das Siegerland ging es in den Oberbergischen Kreis, wo sich gegen 10:30 Uhr kurz vor Hennef drohende Gewitterwolken auftürmten. Somit war Eile angesagt. Eigentlich war es der Plan, an Bonn vorbei über Düren in Richtung Aachen zu fahren. Regen stört uns zwar weniger, aber bei Gewitter ist es einfach zu gefährlich. Also schnell im Navi die kürzeste Strecke eingegeben, die uns auf die A 3 und dann auf die A 4 bis nach Aachen führte. Wir hatten Glück und konnten das Gewitter umfahren und kamen gegen 11:45 Uhr somit zwei Stunden früher als geplant in Aachen an. Somit hatten wir auch zwei Stunden länger Zeit, den Nachmittag mit Tochter, Schwiegersohn und Enkel zu verbringen.

 

2. Tag: Aachen - Gent                              (Karte)
209 Kilometer

Morgens um 05:00 Uhr weckt mich ein heftiges Gewitter in unserem Hotelzimmer. Die Wetterprognose verheißt nichts Gutes. Unwetterartiger Regen ist angesagt. Das Hotel in Gent war das Einzige, das wir vorgebucht hatten, jetzt ärgere ich mich ein wenig. Bei der Prognose wären wir sonst noch einen Tag länger in Aachen geblieben, jetzt müssen wir fahren. Wir lassen es aber erst einmal ruhig angehen und frühstücken ausführlich. Gegen 10:45 Uhr machen wir uns dann auf den Weg nach Gent. Ohne komplette Regenbekleidung geht gar nichts. Zuerst führt der Weg nach Maastricht und dann über Hasselt in Richtung Mechelen.
Zwischenzeitlich regnet es so stark, dass die Straßen überflutet werden. Die Regenkleidung hält dicht, nur die Handschuhe muss ich zwischendurch auswringen. Zum Regen kommen auch noch die "Fähigkeiten" belgischer Autofahrer, der Verkehr ist einfach nur chaotisch. Wir sind froh, als wir gegen 15:00 Uhr Gent erreichen.

Nach einer ausgiebigen Dusche sind wir bereit zur Stadtbesichtigung. Der Regen hat nachgelassen, zwischendurch gibt es auch mal ein paar trockene Momente. Gent ist eine wunderschöne alte Stadt, in der die Sehenswürdigkeiten nah beieinander liegen. Schade, dass wir nicht mehr Zeit zur Verfügung haben, hier lohnt auf alle Fälle ein längerer Aufenthalt. Ganz besonders gut gefallen hat uns die "Graslei", eine alte Fachwerkzeile an der "Leie", wo zahlreiche Bars und Restaurants angesiedelt sind.

 

 

3. Tag: Gent - Amiens                              (Karte)
248 Kilometer

Wir verlassen Gent mit der Absicht noch einmal für einen längeren Aufenthalt wiederzukommen und machen uns auf den Weg nach Brügge, wo wir gegen 11:00 Uhr ankommen. Im Gegensatz zu Gent, wo es im Innenstadtbereich zahlreiche Motorradparkplätze gab, suchen wir hiernach in Brügge vergeblich. Die wenigen, die wir finden, waren allesamt belegt. Also parke ich unsere "Pan" kurzerhand auf dem Gehweg.

Auch Brügge hat, wie Gent, eine schöne historische Altstadt. Leider fehlt auch hier die Zeit, sich alles genauer anzusehen und so bleibt nur ein kurzer Eindruck. Den Marktplatz und den "Provinciaalhof" sollte man sich aber auf alle Fälle anschauen. Darüber hinaus gibt es noch weitere schöne Ecken, die einen Besuch lohnen. Somit konnte es für uns auch nur heißen: einmal schnuppern und dann mal schauen, was man sich später noch mal intensiv anschaut.

Aus Brügge herauszukommen erweist sich als genauso schwierig, wie die Parkplatzsuche. Im Stopp-and-Go-Verkehr quälen wir uns aus der Altstadt heraus. Danach geht es über kleinere Straßen in Richtung Frankreich. Wir fahren an Lille vorbei und rollen gemütlich über kleinere Departementsstraßen in Richtung Amiens, unserem heutigen Etappenziel. Ein paar Regentropfen fallen aus dem bedeckten Himmel und es sieht nach mehr aus. Also rein in die Regenkombi. Die Drohung hilft und der Regen verzieht sich.

Gegen 15:00 Uhr kommen wir in Amiens an und finden ein absolutes Baustellenchaos vor, so dass wir schon den nächsten Ort aufsuchen wollten. Wir finden jedoch ein Hotel, sogar mit Garagenplatz für die "Pan". Gut, dass wir nicht weiter gefahren sind! Die Innenstadt erweist sich abseits der Baustellen als absolut sehenswert. Nicht nur die Kathedrale "Notre Dame", Frankreichs größte gotische Kathedrale, in der das Pariser Pendant angeblich vier Mal hereinpasst, sondern insbesondere das alte Stadtviertel "St. Leu" mit seinen vielen, an einem Seitenarm der "Somme" gelegenen Bars und Restaurants, hat einen ganz besonderen Charme. Hier essen wir, am Wasser sitzend und mit Blick auf die mächtige Kathedrale, zu Abend. Einige Gläser Weißwein lassen unser Französisch im Laufe des Abends immer besser werden.

Den einzigen Negativpunkt spüren wir im Laufe des darauffolgenden Tages: Im Hotel gab es Bettwanzen - nicht schön!

 

4. Tag: Amiens - Deauville                     (Karte)
213 Kilometer

Bei bestem Wetter starten wir morgens gegen 09:00 Uhr in Amiens. Die Fahrt geht zunächst nach Rouen. Wenn man in die Stadt hereinfährt, stößt man unweigerlich auf die Abteikirche "Saint-Ouen". Aufgrund deren Größe und ihrer Lage kann man sie erst einmal für die Kathedrale halten. Diese versteckt sich jedoch in der Altstadt. Leider gibt es in der wirklich schönen alten Stadt keine vernünftige Ausschilderung. Wir nehmen uns ein Stunde Zeit für eine Stadtbesichtigung, danach sind wir nassgeschwitzt.

Wir verlassen Rouen und fahren zu unserem Tagesziel nach Deauville, einem mondänen Badeort am Ärmelkanal. Wir haben dank der Touristinformation schnell ein Hotel gefunden und waren startklar für einen Stadtbummel. Alte Villen und ein großes Casino an der Strandpromenade zeugen von gut betuchtem Klientel. Ein unheimlich brieter Sandstrand lädt zum Verweilen ein. Dort verharren wir, bis sich der Hunger bemerkbar macht. Wir finden ein nettes Restaurant, das Festpreismenüs zu vernünftigen Preisen anbietet und lassen den Abend ausklingen.

 

 

5. Tag: Deauville - Avranches                 (Karte)
247 Kilometer

Gegen 09:00 Uhr verlassen wir Deauville und steuern zunächst einmal eine Tankstelle an. An die Spritpreise in Frankreich muss ich mich erst noch gewöhnen, 1,70 Euro für den Liter Super sind schon eine Ansage. Wir sind gerade erst einige Kilometer unterwegs, da ist schon der nächste Stopp fällig. Die Regenkombis müssen ausgepackt werden, denn es fängt richtig an zu schütten. War gar nicht so vorausgesagt.

Unser erstes Ziel ist Vierville-sur-mer, was einigen zunächst nicht allzuviel sagen wird. Spätestens, wenn man den Begriff "Omaha-Beach" nennt, weiß man, um welch geschichtsträchtigen Ort es sich handelt. Heimlich, still und leise lassen wir einen winzigen Teil dieses Ortes in unsere Tasche wandern, nämlich in Form einer kleinen Tüte Sand. Zeitgleich mit uns befindet sich eine Gruppe britischer Veteranen vor Ort, was für etwas Beklemmung sorgt. Eigentlich müsste jeder deutsche Schüler verpflichtet werden, diesen Ort aufzusuchen, niederzuknien und den damaligen aliierten Truppen zu danken.

Wir fahren weiter südwärts zum Mont-Saint-Michel. Hier wird man automatisch zu Shuttle-Parkplätzen geleitet. Das Parkticket für das Motorrad kostet 4,00 Euro, der Bustransfer zum "Kirchenhügel" ist kostenlos. Somit ist dies vernünftig gelöst, anders wäre es bei den Touristenmassen, die insbesondere in der Hauptsaison den Mont-Saint-Michel bevölkern, überhaupt nicht zu steuern. Da wir außerhalb der Saison dort sind, ist es weniger schlimm, als befürchtet. Sicherlich ist es voll, aber noch erträglich. Da es vor kurzem am Mont-Saint-Michel einen Anschlagsversuch gegeben hat, können wir unsere Helme und Jacken nicht mehr in die dortigen Gepäckfächer einschließen und müssen sie mitnehmen. Danke allen Verblendeten, die der Menschheit das Leben so viel einfacher machen...
So verzichten wir darauf den Berg ganz zu erklimmen und uns die Kirche anzuschauen und beschränken uns auf den kleinen Ort und die Umgrenzungsmauer. In unseren Reiseführer stand zudem, dass man sich für einen ausführlichen Besuch des Mont-Saint-Michel einen ganzen Tag Zeit nehmen muss.

So fahren wir weiter nach Avranches, dem heutigen Etappenziel. Wir haben uns die Hotelsuche mittlerweile ein wenig vereinfacht. Es reicht, wenn man eine Stunde vor Ankunft über das Internet ein Hotel bucht, somit hat man dann auch gleich für das Navi die komplette Adresse. Allein die Suche nach einem Restaurant gestaltet sich in Avranches etwas schwierig. Es ist Montag und da sind nahezu alle Restaurants geschlossen. Somit gibt es Schmalspurkost: für jeden ein Baguette und ein Sixpack Leffe - reicht auch.

 

6. Tag: Avranches - Saint-Malo                 (Karte)
210 Kilometer

Von Avranches führt uns der Weg bei bedecktem Himmel, aber ohne Regen, zunächst in das ca. 35 Kilometer entfernte Fougères, den ersten Ort in der Bretagne, den wir besuchen. Er wird dominiert von einer mächtigen Burg, die die komplette Unterstadt umschließt. Von der Oberstadt aus einem schön angelegten Park heraus, hat man einen schönen Blick auf Burg und Unterstadt.

Weiter gehts es nach Vitré, ca. 30 Kilometer südlich von Fougères gelegen. Auch dieser Ort besticht durch eine schöne kleine, verwinkelte Altstadt mit einer beeindruckenden Dreiecksburg.

Nach Vitré sollte eigentlich Rennes, die Hauptstadt der Bretagne, auf dem Programm stehen. Allein das Hereinfahren in die Stadt entpuppte sich als völlig chaotisch. Obwohl der Reiseführer eine schöne Altstadt beschrieb, waren wir von der Hektik und dem Chaos, das dort herrschte, völlig genervt und verzichteten auf einen Besuch. Vielleicht ist uns wirklich etwas entgangen, wir wissen es nicht.

Wir fuhren direkt weiter nach Dinan, das sich als absolutes Highlight des Tages entpuppte. Schon die Anfahrt über den großartigen Viadukt mit dem Blick auf die Unterstandt und dem kleinen Hafen an der "Rance" war ein optischer Leckerbissen. Die ganze Stadt ist ein einziges Museum. Eine derartige Ansammlung von altem Fachwerk ist selten zu sehen. Mein erstes Gefühl sagte mir, dass selbst Rothenburg ob der Tauber hier noch übertroffen wird. Ein absolut sehenswerter Ort.

Den Abschluss des Tages bildete Saint-Malo, die alte Seefahrerstadt am Kanal. Vom Hotel aus waren es ca. 700 Meter bis in die alte bewehrte Innenstadt "Intra muros". Diese ist komplett mit begehbaren Festungsanlagen umschlossen und noch nahezu ursprünglich erhalten. Neuere Bauten sind in die alten Gemäuer nahtlos integriert. Auch hier bleibt - mal wieder - festzustellen: ein Besuch lohnt auf alle Fälle, wir hatten deutlich zu wenig Zeit.

 

7. Tag: Saint-Malo - Perros-Guirec       (Karte)
181 Kilometer

Für den heutigen Tag war lediglich eine kleine Überführungsetappe mit kurzen Zwischenstopps nach Perros-Guirec geplant. Der erste dieser Stopps erfolgte in St.-Cast-Le-Guildo, wo man den unglaublichen Tidenhub an der französischen Westküste von bis zu 15 Metern anhand der auf Grund liegenden Fischerboote gut nachvollziehen kann. Weiter ging es zum Cap Fréhel, einer beeindruckenden Steilküste.

Wir folgten der Küstenstraße über Erpuy, St.-Brieuc nach Paimpol, wo wir eine kurze Kaffeepause einlegten. Von dort aus ist es nur ein kurzer Abstecher zur Île-de-Bréhat, was eigentlich ein ganzer Archipel kleinster Inseln ist.

Der heutige Tag ist recht nasskalt, die Temperaturen liegen gerade einmal bei 14° Celsius. Glücklicherweise regnet es nicht. Dennoch sind wir froh, dass wir gegen 14:00 Uhr unser Ziel Perros-Guirec erreichen, wo wir im "Grand Hôtel" nächtigen. Der Name erinnert an alte herrschaftliche Zeiten, so sieht das Hotel auch aus. Allerdings könnte es mal wieder eine Erneuerung gebrauchen, den Charme vergangener Zeiten hat es jedoch behalten. Die Aussicht aus dem Zimmer mit direktem Meerblick ist jedenfalls grandios.

Ein Stadtbummel darf auch hier nicht fehlen, man merkt, dass sich hier im Sommer viele Touristen tummeln. In der Vorsaison ist jedoch alles sehr entspannt und angenehm.

 

8. Tag: Perros-Guirec

Heute gönnen wir unserer "Pan" und uns einen Ruhetag. Der Himmel ist bedeckt, aber es ist trocken. Vorsichtshalber nehmen wir unsere Regenjacken aber mit. Wir wollen gemütlich zu Fuß am Strand entlang die "Côte-de-Granit-Rose" erkunden. Über dem Zöllnerpfad, dem "Sentier-des-douarniers" geht es ins ca. 5 Kilometer entfernte Ploumanac'h. Zahlreiche unterschiedliche Felsformationen, die alle vom Wasser rund abgeschliffen sind, lassen Interpretationsspielräume für alle möglichen Bildnisse, die man meint daraus erkennen zu können, sei es ein Hamster, ein Elefant oder ein Bär, alles aus rosa schimmernden Granitgestein. Man kann wirklich deutlich erkennen, weshalb die Küste diesen Namen trägt. Am Leuchtturm von Ploumanac'h angekommen, blicken wir auf eine kleine vorgelagerte Insel, auf der ein kleines Schloss steht. Dieses ist im Besitz von Dieter Hallervorden und man kann es sogar für einen erheblichen Betrag mieten. Das überschreitet aber ganz deutlich unser Budget.

Wir gehen entspannt wieder zurück, gönnen uns einen ausgiebigen Mittagsschlaf und erkunden danach weiter diesen gemütlichen Ferienort. Ein schönes Abendessen rundet diesen gelungenen ruhigen Tag ab.

 

9. Tag: Perros-Guirec - Douarnenez     (Karte)
325 Kilometer

Nach mehreren Tagen scheint heute mal endlich wieder die Sonne. Von Perros-Guirec starten wir über Lannion und Morlaix nach Roscoff, einer Fährhafenstadt und bekannt durch den Zwiebelanbau. Von Roscoff geht es auch zur nahe gelegenen "Île-de-Batz". Roscoff ist ein kleiner malerischer Ort, in dem auch einmal Maria Stuart als fünfjähriges Mädchen gelebt haben soll.

Ursprünglich sollte es an Brest vorbei an die westliche Atlantikküste nach "Le Conquet" gehen, von wo man bei gutem Wetter einen schönen Blick auf die "Île Molène" haben soll. Diese und die "Île d'Ouessant" sind Bestandteil des "Parc Naturel Régional d'Amorique". Irgendwie leitete mich unser Navi jedoch direkt nach Brest herein, wo wir auf eine Umleitung stießen. Nach deren Umfahrung sollte es wieder in die gleiche Richtung gehen. Da wir uns noch einiges anschauen wollten, drehten wir einfach wieder um. Der Weg führte uns dann nach St.-Thégonnec, einem alten Kalvarienberg mit einer mittelalterlichen Kirche.

Als nächstes stand die Halbinsel "Crozon" auf dem Programm. Hier wollten wir unbedingt an die Steilküste zum "Pointe-de-Penhir". Dieser Abstecher hat sich auf alle Fälle gelohnt. Schon bei schönem Wetter kann man sich die Naturgewalten vorstellen, die diese Küste bei Sturm heimsuchen. Auf alle Fälle nehmen wir von hier beeindruckende Fotos mit.

Unser Tagesziel war Douarnenez, eine alte Fischerstadt, die durch die Sardinenfischerei bekannt und reich geworden war. Die Stadt besitzt insgesamt 3 Häfen, den alten Hafen, den Fischereihafen und den Museumshafen. Vorgelagert ist die "Île Tristan", die eine bedeutende Rolle in dem Roman von Jean Luc Bannalec "Bretonische Flut" spielt.
Ein besonders exquisites Abendessen rundete diesen Tag ab.

 

10. Tag: Rund um Douarnenez           (Karte)
211 Kilometer

Wir hatten gestern kurzfristig eine zweite Übernachtung in Douarnenez gebucht, damit wir bei unseren weiteren geplanten Besichtigungen nicht in Stress geraten. Eine weise Entscheidung, wie es sich herausstellte.
Der Tag begann mit einem kräftigen Gewitter, daher kamen wir erst gegen 10:00 Uhr los.

Wir fuhren zunächst in das nur 10 Kilometer entfernte Locronan, einem urigen Mittelalterdorf, das komplett so erhalten ist und in dem zahlreiche Filme gedreht werden, die im Mittelalter spielen.

Weiter ging es in die Hauptstadt des Départements "Finisterre", nach Quimper. Auch diese Stadt besticht durch altes Fachwerk und ist absolut sehenswert. Es lohnt auch, einen Blick in die Markthallen zu werfen, wo insbesondere frische Meeresfrüchte und andere regionale Spezialitäten angeboten werden.

Selbstverständlich durfte auch ein Besuch in einer von Bielefelds Partnerstädten, genau gesagt des Stadtteils Senne, Concarneau nicht fehlen. Die "Ville-Close", die von Mauern vollständig umschlossene Altstadt ist auf alle Fälle einen Besuch wert, den Rest der Stadt darf ruhig vernachlässigt werden.

Als nächster Haltepunkt war einer der bekanntesten Leuchttürme Frankreichs, der "Phare d'Eckmühl" vorgesehen. Er ist mit seinen 60 Metern Höhe einer der höchsten Leuchttürme Europas. Zuvor war aber noch der Besuch einer der ältesten Pfarrkirchen Frankreichs vorgesehen. Diese lag direkt auf dem Weg und war somit kein Umweg.

Zum Schluss der heutigen Besichtigungsrunde ging es dann an das "Ende der Welt", wie das Finisterre (lat. finis terrae) auch bezeichnet wird. Nach dem "Pointe du Raz" kommt nur noch die "Île de Sein" und danach der amerikanische Kontinent.

Das Wetter hatte bislang den ganzen Tag gehalten, doch auf dem Rückweg nach Douarnenez gab es noch mal eine richtige Schüttung. Wie aus dem Nichts ging es los. Fingernagelgroße Regentropfen prasselten nieder. Obwohl wir sofort anhielten und uns in die Regenkombis warfen, waren wir ruckzuck durchgeweicht. Kaum waren wir in den Regensachen hörte es auch wieder auf. Aber wir sind ja schließlich nicht aus Zucker.

 

11. Tag: Douarnenez - Nantes            (Karte)
350 Kilometer

Heute wollten wir uns die Südküste der Bretagne anschauen, nachdem wir tags zuvor schon einen kleinen Abstecher dahin gemacht hatten. Auf dem Weg in Richtung "Golfe du Morbihan" lagen Pont-Aven und Quimperlé. Pont-Aven ist bekannt durch den Maler Paul Gauguin, der dort lange Zeit gelebt hat. Größere Sehenswürdigkeiten haben beide Orte nicht zu bieten, durch Pont-Aven sind wir durchgefahren - ganz nett - und Quimperlé war aufgrund einer Veranstaltung komplett gesperrt.

Bevor wir jedoch auch nur in die Richtung kamen, mussten wir schon wieder die Regenkombis aus den Taschen holen. Der Regen wurde schließlich immer heftiger, so dass in Carnac die Gullis durch die Wassermassen herausgedrückt wurden. Diese Schüttung warteten wir dort erst einmal ab, bevor wir uns die Megalithfelder anschauten. Obelix hat hier offensichtlich ganze Arbeit geleistet und alle Hinkelsteine, die er finden konnte, schön säuberlich aufgereiht. Ca. 3000 Stück sollen es sein.

In Vannes, am nördlichen Ende des Golfs gelegen, hörte es auf zu regnen und wir konnten uns in Ruhe die Innenstadt anschauen. Auch in Vannes ist viel altes Fachwerk erhalten geblieben. Wir haben in der Bretagne eigentlich alle Spezialitäten gekostet, bis auf Austern. In der Markthalle von Vannes ergriff ich dann die letzte Gelegenheit (meine Frau weigert sich bis heute beharrlich) und sprach einen Fischhändler darauf an. Er war zunächst ein wenig verblüfft, es entwickelte sich jedoch ein nettes Gespräch, bei dem er mir dann eine Auster öffnete und ein Messer in die Hand drückte. Der Geschmack schließlich war einfach nur hervorragend, festes Muschelfleisch und leicht salzig. Es war nicht meine letzte Auster.

Nach Vannes wollten wir über Saint-Nazaire nach Nantes fahren, insbesondere um uns die imposante Brücke über die Loire-Mündung anzuschauen. Es hatte mal wieder angefangen zu regnen und zahlreiche Umleitungen in Saint-Nazaire verhinderten, dass wir auch nur in die Nähe der Brücke kamen. Dann eben auf anderen Weg nach Nantes. Schnell buchten wir über das Internet ein Hotel in Nantes. Auch hier eine große Umleitung rund um das Hotel, so dass wir zunächst überhaupt nicht an die Straße herankamen. Zum Schluss hatte ich die Nase voll und fuhr ein kurzes Stück entgegen der Einbahnstraßenregelung. Anders wäre es wahrscheinlich auch nicht gegangen.

350 Kilometer überwiegend im Regen machen müde. Als erstes waren eine Dusche und danach viele Getränke notwendig. Nachdem der erste Durst erst einmal gestillt war machten wir uns auf den Weg in die City. Nach der obligatorischen Stadtbesichtigung machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Wir hatten keine große Lust auf Restaurant und Wein, somit suchten und fanden wir ein kleines nettes Bistro mit Burger und Bier. Auf dem Rückweg zum Hotel stießen wir noch auf ein Open-Air-Konzert, wo wir uns erst einmal hinsetzten und zuhörten. Denn pünktlich bei unserer Ankunft in Nantes hatte es mal wieder aufgehört zu regnen.

 

 

 

 

12. Tag: Nantes - Orléans                (Karte)
318 Kilometer

Der Blick auf den Regenradar verhieß nichts Gutes. Eigentlich war der Plan, gemütlich an der Loire entlang zu fahren und einen Blick auf das ein oder andere der vielen Schlösser zu werfen. Daraus wurde nichts. Wir hatten wohlweislich schon vor der Abfahrt die Regenkombis angezogen, zu Recht. Unwetterähnliche Regengüsse begleiteten uns die ersten 200 Kilometer bis kurz vor Blois. Danach wurde es etwas besser. Den ein oder anderen Schauer nahmen wir trotzdem noch mit. Wir waren froh, gegen 14:30 Uhr in Orléans anzukommen und uns aus den nassen Regenkombis zu pellen. Nach der Dusche und einer kurzen Entspannungsphase ging es zum Sightseeing in die Stadt der Jeanne d'Arc. Auch hier ließ zum Abend der Regen nach. Wir hätten gerne während der Motorradtouren etwas besseres Wetter gehabt.

 

 

13. Tag: Orléans - Nancy                 (Karte)
386 Kilometer

Man merkt, dass wir auf dem Heimweg sind. Der heutige Tag ist eine reine Überführungsetappe ohne Zwischenstopp. Die Luft ist auch langsam heraus, man merkt die Anstrengungen der vergangenen Tage. Glücklicherweise spielte heute einmal das Wetter mit und wir kamen trocken von Orléans nach Nancy.

Nancy selbst hat einen schön gestalteten Hauptplatz, den "Place Stanislas", um den sich in herrschaftlichen Bauten das Rathaus, das Theater und die Oper gruppieren. Daran schließt sich ein großer öffentlicher Park an. Außer zweier Kirchen und einem alten Stadttor hat Nancy aber nicht viel zu bieten und wirkt auf Besucher auch nicht sonderllich ansprechend.

 

14. Tag: Nancy - Kelkheim              (Karte)
352 Kilometer

Auf dem Weg nach Hause war noch einmal eine Rast im Taunus geplant. Neben unser dort wohnhaften Verwandtschaft war ein befreundetes Eherpaar letztes Jahr von Bielefeld nach Kelkheim gezogen. Hier wollten wir einen kleinen Besuch machen und dort auch übernachten.

Der Weg führte zunächst an Metz vorbei bis an die deutsche Grenze, die wir bei Saarlouis passierten. Quer durch das Saarland fuhren wir zunächst nach Idar-Oberstein, wo wir hofften , ein kleines Mittagessen einnehmen zu können. Mineralien findet man in Idar Oberstein reichlich, ein geöffnetes Restaurant zur Mittagszeit dagegen nicht. Offensichtlich lagen diese gut versteckt vor hungrigen Touristen. In Kirn wurden wir schließlich fündig. Weiter sollte es in Richtung Bad Kreuznach gehen. Wir waren gerade aus Kirn heraus, da stießen wir auf einen ellenlangen Stau, bedingt durch eine Großbaustelle. Also umfahren. Glücklicherweise befand sich am Wegesrand gerade ein Briefträger, die sich ja bekanntlich in der Gegend auskennen sollten. Dieser empfahl uns einen rund 20 Kilometer weiten Umweg über Meisenheim, da die Staulänge in der Regel immer mindestens 8 Kilometer beträgt und man mindestens mit einer Verzögerung von einer Dreiviertelstude rechnen muss. Der Tipp war goldrichtig und wir kamen problemlos wieder auf unsere Route und konnten über Mainz in den Taunus fahren.

 

15. Tag: Kelkheim - Bielefeld         (Karte)
292 Kilometer

Die Heimfahrt erfolgte wie gewohnt durch den Taunus, an der Burg Braunfels vorbei nach Leun. Bislang waren wir immer über Herborn und Dillenburg ins Sauerland gefahren, diesmal wies uns unser Navi einen anderen Weg. Es ging durch das Dauphtetal nach Biedenkopf, einer supertollen Motorradstrecke. Diesen Weg merken wir uns für die zukünftigen Fahrten in den Taunus. Über Winterberg ging es dann zurück nach Bielefeld, wo wir gegen 14:30 Uhr ankamen.

 

Fazit:

Wir waren insgesamt 15 Tage unterwegs und haben in dieser Zeit genau 3.907 Kilometer zurückgelegt. Es war zum Schluss anstrengend und man begann, seine Knochen zu spüren.

Wir haben unheimlich viel gesehen und es wird sicherlich noch einige Zeit brauchen, den ganzen Input aufzunehmen und zu verarbeiten.

In Belgien gibt es wunderschöne Städte, wo es sich lohnt, noch einmal für einen längeren Aufenthalt hinzufahren. Einige Stunden reichen hier definitiv nicht.

Die Normandie und die Bretagne haben uns absolut überzeugt. Auch hier konnten wir nur einen Bruchteil von dem sehen, was beide Landstriche zu bieten haben. Aber man kann wiederkommen und gezielt sich den ein oder anderen Ort suchen.

Das Wetter war mehr als durchwachsen. Ich habe nun verstanden, dass die Bretonen sagen, dass sich das Wetter bis zu fünf Mal am Tag ändert. Wir haben es erlebt. Aber wir fahren schließlich Motorrad und können auch mit nicht ganz so schönem Wetter leben.

Es war insgesamt eine super tolle Tour!

 

 

 

 

 

 

Eine Tour durch vier Länder
Deutschland – Österreich – Italien -Schweiz
vom 19.-28.07.2017

  1. Tag: Bielefeld – Landsberg am Lech

Am 19.07.2017 starteten meine Frau und ich morgens um 05:45 Uhr mit unserer Pan in Richtung Landsberg am Lech, Tage zuvor hatte das Mopped noch einen kompletten Check inklusive neuer Bremsbeläge bekommen. In Landsberg erwartete uns ein Familientreffen und wir hatten 5 Übernachtungen in einer Ferienwohnung gebucht.

Nach einer kurzen Fahrt auf der Autobahn verließen wir diese in Diemelstadt und fuhren gemütlich durch das hessische Bergland in Richtung Fulda. Wir streiften die bayerische Rhön und gönnten uns ab Hammelburg noch einmal eine kurze Autobahnfahrt, um nicht mitten durch Schweinfurt zu fahren. Als wir bei Würzburg die Autobahn wieder verließen, bemerkten wir ein Kratzen im Bereich der hinteren Bremsbeläge. Was das jetzt – diese waren gerade erneuert worden. Ich beschloss, das Kratzen bis Landsberg zu ignorieren und dann dort in eine Werkstatt zu fahren. Wir mussten schließlich an diesem Tag noch die Ferienwohnung beziehen und über Land dauert die Fahrt schließlich etwas länger.

Gegen 15:30 kamen wir schließlich ohne weitere Probleme in Landsberg an und bezogen unsere Ferienwohnung. Ich hatte aufmerksam das Bremsverhalten meiner Honda beobachtet und keine Auswirkungen durch das Kratzen feststellen können. Da wir aber vorhatten anschließend in die Alpen zu fahren, musste dieser Defekt erst einmal behoben werden.

Im Telefonbuch fand ich schnell eine Werkstatt und vereinbarte einen Termin für den nächsten Tag.

 

2.-5. Tag: Landsberg am Lech

Am Donnerstag brachte ich dann mein Mopped in die Werkstatt. Dort wurde dann eine gebrochene Feder am Bremssattel für das Kratzen als Ursache ausgemacht. Also eine Kleinigkeit. Diese hatte vermutlich die vorherige Reparatur nicht überstanden und sich danach unbemerkt verabschiedet. Aber besser jetzt dieser kleine Defekt, als später in den Alpen, wo sich eine Werkstattsuche sicherlich als schwieriger herausgestellt hätte.

Das Mopped konnte ruhig ein zwei Tage in der Werkstatt bleiben, wir hatten die Zeit sowieso für das Familientreffen eingeplant.

Für diejenigen, die Landsberg am Lech nicht kennen: Landsberg ist eine kleinere Kreisstadt mit knapp 29.000 Einwohnern. Mitten in der Stadt liegt das Lechwehr mit seiner beindruckenden Staustufe. Der Hauptplatz in der Altstadt ist umrahmt von zahlreichen Fachwerkhäusern.

 

  1. Tag: Landsberg am Lech – Prad am Stilfser Joch

Morgens gegen 08:30 Uhr verließen wir unsere Ferienwohnung in Landsberg. Der Himmel war bewölkt und schien Regen vorherzusagen. Davon lassen wir uns aber nicht bange machen, wir sind ja schließlich nicht aus Zucker. Wir fuhren ab Landsberg zunächst auf der B 17 in Richtung Schongau. Schon kurz danach in Steingaden öffnete der Himmel seine Schleusen und – vorweg gesagt – das sollte sich bis Prad auch nicht mehr ändern.

Die Tour ging durch eine der schönsten Strecken im Alpenraum, die wir leider aufgrund der Wetterlage nicht richtig genießen konnten. Über Füssen – Reutte ging es ins Lechtal und danach über das Hahntennjoch. Dieses ist fahrerisch eigentlich gar nicht so problematisch, wird aber oft von vielen Motorradfahrern unterschätzt, so dass es auf dieser Strecke häufig zu schweren Unfällen kommt. Auch kann es auf der Fahrt herunter vom Joch nach Imst oftmals bei schlechten Wetter zu Murenabgängen kommen. Beim jetzigen Regenwetter waren allerdings nur wenige Motorradfahrer auf der Strecke und auch von Murenabgängen blieben wir verschont. Ein kurzer Tankstopp in Imst und es ging weiter in Richtung Reschenpass.

Inzwischen hatte das kühle Wetter und der Regen doch schon ein wenig Tribut gefordert. Meine Lederhandschuhe waren doch schon arg durchnässt und die Hände wurden langsam kalt. Die restliche Goretexbekleidung blieb jedoch hinter der großen Scheibe einigermaßen geschützt. Wir hätten auf dieser Strecke gerne viel mehr Pausen und Abstecher gemacht, aber auf Grund des Wetters wollten wir schließlich nur noch unser Tagesziel Prad am Stilfser Joch erreichen.

Für die gesamte Tour hatten wir keine Hotels vorgebucht, wir wollten uns unsere Flexibilität erhalten. In Prad war die Hotelsuche kein Problem – trotz Sommerferien – und wir gönnten uns an diesem Tag ein Wellnesshotel. Das Hotel „Zentral“ ist äußerst zu empfehlen, wir hatten ein ca. 30 m² großes Zimmer mit einem geräumigen Bad, in dem Badewanne und Dusche Platz fanden. Außerdem bot das Hotel einen großen Wellnessbereich mit kostenloser Benutzung von Schwimmbad und vier verschiedenen Saunen, den wir auch noch ausgiebig nutzten. Insgesamt kostete uns der Spaß 68,00 Euro pro Person inklusive eines reichhaltigen Frühstücks am nächsten Morgen. Das Motorrad war zudem trocken in der Tiefgarage untergebracht und Trockenräume für Bekleidung waren auch vorhanden. Was will man mehr?

Nach der Sauna ein kleiner Stadtbummel durch Prad mit der Suche nach einem Restaurant, was an einem Montag in Italien nicht ganz einfach ist, weil hier der Montag fast ausschließlich ein Ruhetag ist. In der Zwischenzeit hatte auch der Regen aufgehört und sogar die Abendsonne zeigte sich noch mal von ihrer besten Seite. Wir fanden aber eine kleine Pizzeria, die uns jeweils eine Pizza aus Hanfmehl anbot. Für uns eine interessante Erfahrung, schmeckte diese Pizza doch wesentlich kräftiger als eine herkömmliche aus Weizenmehl. Darüber hinaus war sie geschmacklich ganz hervorragend.

 

  1. Tag: Prad am Stilfser Joch – Lago Maggiore

Nach dem ausgiebigen Frühstück starteten wir morgens gegen 08:45 Uhr in Richtung Stilfser Joch. 48 enge Kehren bergauf und 40 bergab lagen vor uns. Aufgrund der frühen Uhrzeit waren nur wenige Verkehrsteilnehmer unterwegs, am meisten davon Fahrradfahrer. Da ich nun selbst auch viel mit dem Fahrrad unterwegs bin, kann ich allen nur meinen höchsten Respekt aussprechen, die diese Quälerei auf sich nehmen. Sogar ein junger Vater mit Kind auf einem angehängten Fahrrad war dabei. Pkws und Busse, insbesondere Wohnmobile waren um diese Zeit noch selten, was eine stressfreie Fahrt auf das Joch zur Folge hatte. Die Motorradfahrer, die unterwegs waren, zählten wie wir auch überwiegend zur Ü 50 Generation, so dass gefährliche Fahrmanöver gänzlich ausblieben. Die Fahrt aufs Joch war anstrengend aber wunderschön, alles bei bestem Wetter und guten Blick auf die Ortlergruppe mit ihren leider immer mehr zurückgehenden Gletschern und den mit Schnee überzuckerten Gipfeln. 

Leider erlebt man oben auf dem Joch einen regelrechten Kulturschock. Ein überhaupt nicht in die Gegend passendes Tourismuszentrum trübt das Flair einer eigentlich schönen Bergwelt. Ich stelle mir wirklich die Frage, ob diese Art von Kommerzialisierung an solchen Orten sein muss, und wenn ja, ob man das dann nicht zumindest baulich ansprechend an die Natur anpassen kann. Aber über Meinungen und Geschmäcker kann man bekanntlich streiten, mein Fall ist das jedenfalls nicht. Daher haben wir uns dort oben auch nicht lange aufgehalten und uns auf den Weg bergab nach Bormio gemacht.

Wir folgten der SS 38 und dem Flüßchen „Adda“, das schließlich in den Comer See mündet und fuhren an dessen Westküste über die SS 340dir bis Menaggio. Uns fiel auf, dass der Comer See trotz Sommerferien nicht völlig überlaufen war. Als langjährige Gardasee Besucher verglichen wir den Comer See natürlich sofort mit dem Gardasee und stellten fest, dass er uns ebenso gut gefiel und vor allem nicht so überfüllt. Hier werden wir auf alle Fälle noch einmal einen längeren Aufenthalt planen.

Es ging weiter in Richtung Lugano, wo ein erneuter Tankstopp erforderlich wurde. Von Lugano selbst kann ich nur abraten. In der Stadt herrscht völliges Verkehrschaos und trotz Navi wurden wir mehrfach in die Irre geleitet, weil Straßen plötzlich gesperrt oder umgeleitet waren. Nach einer Dreiviertelstunde nervigen Umherfahrens fanden wir schließlich die Ausfahrt in Richtung Lago Maggiore, den wir in Luino erreichten.

Da unsere ursprüngliche Absicht war, in Richtung Frankreich nach Briancon zu fahren, fuhren wir an der Ostseite des Lago Maggiore südwärts. Der nördliche Teil und die Westküste sind eindeutig schöner, allerdings brachten wir dann bei der anschließenden Hotelsuche in Erfahrung, dass in Locarno die Filmfestspiele kurz bevorstanden und Hotelzimmer nicht mehr zu bekommen waren. Auch deshalb entwickelte sich die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu einer wahren Odyssee.

Nachdem wir ca. 2 Stunden von Hotel zu Hotel gefahren waren, fanden wir in Arolo im Süden des Lago Maggiore eine Herberge, die uns noch eine Dachkammer anbieten konnte. Inzwischen war uns der Komfort relativ egal, wir wollten nur noch duschen, etwas essen und anschließend schlafen. An unsere Übernachtungsmöglichkeit war eine hervorragendes Restaurant angeschlossen, was den mangelnden Übernachtungskomfort mehr als wett machte. Nachdem wir uns ausgiebig gestärkt und dazu auch noch eine Flasche Marzemino verköstigt hatten, fielen wir todmüde in unsere Betten.

 

  1. Tag: Arola – Les Mosses

Wie schon angedeutet, hatten wir ursprünglich vor in Richtung Frankreich und von dort aus über den Col du Galibier in Richtung Genfer See zu fahren. Allerdings hätten wir dann heute eine reine Überführungsetappe an Turin vorbei bis Briancon gehabt, die landschaftlich auch nicht sonderlich reizvoll wäre. So überlegten wir uns eine Alternativroute. Diese sollte in Richtung Aostatal und dann über den Großen St. Bernhardpass zum Genfer See führen. Auf der Karte sah dieses ganz reizvoll aus und im Gegensatz zum Galibier kannte ich den St. Bernhardpass noch nicht.

Nach dem Frühstück ging es los. Das Südende vom Lago Maggiore war schnell erreicht und es ging über kleine Nebenstraßen in Richtung Ivrea. In der Ferne konnten wir einen Blick auf das Matterhorn erwischen. Wir folgten der SS 26 mitten durch das Aostatal bis zum gleichnamigen Ort, von wo sich der Abzweig in Richtung St. Bernhardpass findet. Natürlich nehmen wir die alte Passstraße direkt am Kloster vorbei und nicht den langweiligen Tunnel. Ich hatte schon oft gehört, dass auf dem Pass völlig andere Wetterkonstellationen herrschen sollen – und tatsächlich – nach warmen, fast heißen Temperaturen im Aostatal wehte auf dem 2.469 Meter hohen Pass ein eisiges Lüftchen, verbunden mit einer dunklen Wolkenwand.

Zurück in der Schweiz folgten wir der B 21 über Martigny und Aigle bis zum Genfer See. Ein kleiner Abstecher nach Montreux durfte nicht fehlen. Als bekennende Queenfans mussten wir dem Denkmal von Freddie einen Besuch abstatten.

Mein letzter Besuch in Montreux lag schon 12 Jahre zurück. Die Stadt selbst hatte sich nicht verändert, das Publikum aber sehr wohl. Auffällig war die große Anzahl arabischer Gäste, die die Stadt geradezu bevölkerten. Scharen von vollverschleierten Frauen mit großen Einkaufstüten und einer einzelnen männlichen Begleitung strömten durch die Straßen von Montreux. In dieser Häufigkeit ein schon abstruses Bild in der westlichen Welt, was uns später in Interlaken noch einmal begegnen sollte.

Wir verließen Montreux und machten uns auf den Weg nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Da wir vom Genfer See in Richtung Thuner See über die B 11 fahren wollten, hatten wir uns Chateau d’Oex als Zwischenstation ausgeguckt. Aber schon vorher in dem Ski- und Wandergebiet Les Mosses fanden wir ein ansprechendes Hotel. Nach der Dachkammer der letzten Nacht brauchten wir mal wieder etwas mehr Platz.

Ein Zimmer war kein Problem und an der Rezeption traf ich auf eine nette Mitarbeiterin, die nach dem Blick auf meinen Ausweis unbedingt mit mir Deutsch sprechen wollte, was sich als nicht so ganz einfach erwies. Sie war ursprünglich italienisch sprachlich und wollte unbedingt ihre Deutschkenntnisse verbessern. Die Kommunikation gelang schließlich in einem Mix aus Deutsch und französisch. Insgesamt herrschte in dem Hotel die italienische Sprache vor, für mich ein wenig ungewohnt in der eigentlich hier französisch sprachigen Schweiz.

Nach einem ausgiebigen Abendessen fielen wir müde in unsere Betten.

 

  1. Tag: Les Mosses – Neustadt (Schwarzwald)

Am nächsten Tag wollte ich nach dem Frühstück an der Rezeption meine Rechnung begleichen. Offensichtlich war diesmal der Besitzer des Hotels anwesend. Ich sprach ihn, für mich ganz normal, auf Französisch an und erntete nur eine verblüffte Reaktion. Er schaute mich an und fragte ganz trocken: „Warum redest du nicht Deutsch mit mir? Ich komme aus Iserlohn.“

Die verblüffte Reaktion war nun bei mir. Nach den Erfahrungen vom Vorabend mit ausschließlich italienischer Bedienung, hatte ich nun wirklich nicht mit einem deutschen Besitzer, noch dazu mit einem Westfalen gerechnet. Es wurde jedenfalls ein lustiges Gespräch mit viel Gelächter und „dummen Sprüchen“.

Danach ging die Fahrt weiter und wir fuhren die B 11 bis Spiez am Thuner See. Hier machten wir erst einmal eine kleine Pause und genossen die Aussicht auf den schön gelegenen See.

In Interlaken erwischten wir leider die falsche Ausfahrt und landeten direkt auf der A 8, obwohl ich eigentlich auf der Ostseite des Brienzer Sees langfahren wollte. Gut, dass wir schon gleich in Lugano die Mautplakette gekauft hatten. Wir blieben zunächst einmal auf der Autobahn, weil wir uns auch nicht dem Berufsverkehr von Luzern und Zürich aussetzen wollten. Wir hatten geplant, bis in den Schwarzwald zu fahren und Stadtbesichtigungen von Luzern und Zürich hätten einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen.

Nachdem wir Zürich passiert hatten, nahmen wir Kurs auf Stein am Rhein. Diese nette Stadt hatte ich vor einigen Jahren schon einmal besichtigt, allerdings ohne meine Frau, der ich dieses Örtchen nun auch zeigen wollte. Wir kamen allerdings nicht bis Stein am Rhein. Eine Umleitung zwang uns zu einem dreißig Kilometer langen Umweg über Schaffhausen. Zum Zurückfahren hatten wir absolut keine Lust und so warfen wir einen Blick auf den Rheinfall. Der direkte Blick kostete den geringen Obolus von 5 SFr. pro Person, aber wir fanden einen kostenfreien Weg mit einem etwas größeren Abstand zum Rheinfall. In solchen Dingen bin ich Randlipper und somit etwas sparsam.

Kurze Zeit später hatte uns Deutschland wieder. Aufgrund schlechter Erfahrungen wollte ich den Touristenort Titisee meiden und eine Unterkunft in Furtwangen suchen. Wie das in den Ferien nun mal so ist, zahlreiche Baustellen und Umleitungen führten uns direkt nach Neustadt, den angenehmeren Teil dieser Doppelgemeinde. Im Schritttempo fuhren wir auf den Ortseingang zu, als ich am linken Straßenrand ein kleines Hotel bemerkte. Schnell raus und nachfragen, ob ein Zimmer frei ist. Die Inhaberin war sofort sympathisch und für schlappe 86 Euro erhielten wir ein schönes Doppelzimmer mit Frühstück.

Danach machten wir einen kleinen Spaziergang in den Ort und fanden einen ansprechenden Italiener, wo wir zu Abend aßen.

 

  1. Tag: Neustadt – Bielefeld

Nun war die Heimreise angesagt. Wir hatten vor, durch den Schwarzwald bis Baden-Baden zu fahren und dann auf die Autobahn bis Gießen. Bis Triberg, dem Ort der größten Kuckucksuhr der Welt gelang dies auch sehr gut. Dummerweise verließ ich mich auf mein doch in die Jahre gekommenes Navi und dieses geleitete uns dann doch in Richtung Offenburg, wo ich eigentlich gar nicht hin wollte. Bis ich das gemerkt hatte, war es aber schon zu spät. Also in Offenburg schon auf die Bahn, rein in diverse Staus und zähfließenden Verkehr. Der Weg nach Gießen gestaltete sich als recht mühsam. Die Alternative über Land war aber auch nicht sehr reizvoll und irgendwie wollten wir doch an diesem Tag nach Hause fahren.

Ab Gießen ging es dann aber durch über Marburg in Richtung Sauerland und die letzten Kilometer bis zur A 33 nach Bielefeld legten wir dann wieder in gemächlichen Tempo auf den Landstraßen zurück.

 

Fazit:

Die Tour führte uns mit An- und Abreise insgesamt über knapp 2.500 Kilometer. Bis auf einen Regentag, leider im schönen Lechtal, hatten wir die ganze Zeit über schönes Wetter. Lästig waren die vielen Baustellen und Umleitungen, insbesondere in Deutschland. Trotz der gefahrenen Kilometer war die gesamte Tour für uns beide recht entspannend, obwohl wir abends schon etwas müde waren. Nach einem guten Abendessen relativierte sich das aber schnell wieder.

Mal sehen, wohin uns die nächste Tour führt.

 

Motorradtour zum Gardasee
vom 20.-28.09.2003

Reisebericht einer 8 - tägigen Motorradtour zum Gardasee von vier Motorradtouristen auf vier unterschiedlichen Motorrädern. Die Hinfahrt erfolgte in zwei Etappen mit Rast in Rosenheim.


Teilnehmer:
- Volker - Triumph Daytona
- H-man - Suzuki Intruder 1400
- Stoner - BMW K 1200 RT
- TOK - Pan European STX 1300


Der Bericht soll einerseits ein wenig zum Schmunzeln anregen, andererseits lassen sich die beschriebenen Strecken wunderbar nachfahren.
Als Kartenmaterial haben sich der HB-Bildatlas Gardasee (Nr. 126 o. 236), die Kompasskarten 101 (Rovereto - Monte Pasubio) und 102 (Lago di Garda - Monte Baldo) beide im Maßstab 1:50000 und die Motorrad Reisekarte von Motorrad Freizeit im Maßstab 1:200000 gute Dienste geleistet.
Viel Spaß beim Nachfahren!

 

  1. Tag: Bielefeld - Rosenheim (681 Kilometer):

Um 08:30 Uhr wollten Volker, H-Man und ich uns an der Autobahnauffahrt Bielefeld - Sennestadt treffen, um dann gemeinsam nach Paderborn - Mönkeloh zu fahren, wo uns Stoner am dortigen Autohof erwartete. Hier wollten wir alle ein erstes gemeinsames Frühstück einnehmen.
Auf der Fahrt dorthin hatte H-Man erst einmal beschlossen, dass er sein mit Klebeband am Helm befestigtes Visier doch nicht braucht und es während der Fahrt erst einmal ‚weggeschmissen'. Verluste gibt es halt überall.
Nach dem Frühstück sollte es um 10:00 Uhr losgehen.
Wie es dann so kommt - ausgerechnet Stoners BMW wollte nicht anspringen. Die Wegfahrsperre war blockiert. Es half nichts, er musste nochmals nach Hause, um neue Batterien, bzw. einen "Ersatzknochen" für die Wegfahrsperre zu holen. Also rauf auf meine "Pan" und zurück.
In der Zwischenzeit gönnten wir anderen uns erst einmal einen Sonnenpause. Nach einer knappen Dreiviertelstunde ist Stoner zurück, die BMW springt an, und es kann endlich losgehen.
Komischerweise trat dieser Defekt nur ein einziges Mal auf, warum auch immer.
Tage später nach der Tour stellte sich heraus, dass der "Defekt" an den Richtfunkmasten lag, die in der Nähe standen.
Fazit: Stellt eure Böcke mit Wegfahrsperren nicht zu nah an Richtfunkmasten!
Auf der Fahrt nach Rosenheim ist Kilometerfressen angesagt, allerdings ohne Stress. Nach einem ausgiebigen Mittagessen im Autohof bei Knetzgau, erleben wir an der Raststätte Greding das nächste Highlight. Während wir gerade unsere Moppeds abgestellt haben, kommt ein Buli auf den Parkplatz gefahren, der plötzlich die gesamte Kühlflüssigkeit verliert und mitten auf der Fahrspur stehen bleibt. Nachdem Volker und ich das Auto auf einen Parkplatz geschoben hatten, fängt die Karre an zu brennen. Erst einmal die Moppeds retten, die unmittelbar daneben stehen.
So hatten wir uns im Laufe des Tages einige Verspätungen eingehandelt und kamen gegen 19:15 Uhr in Rosenheim an.
Schnell waren die Zimmer bezogen, die völlig neu renoviert waren und sich in einem tadellosem Zustand befanden.
In einer naheliegenden Pizzeria stimmten wir uns auf die bevorstehenden Tage ein.

 

  1. Tag: Rosenheim - Nago (347 Kilometer):

Nach einer ruhigen Nacht ging es um 09:15 Uhr aus Rosenheim los. Da es in der BGS-Kaserne leider kein Frühstück gab, führte der erste Weg zur Autobahnraststätte "Inntal".
Den doch recht ansprechenden Blick auf den hauseigenen See und den dahinter liegenden Wendelstein ließen sich die Wirtsleute teuer bezahlen. Zwei Brötchen mit Kaffee und Aufschnitt kosteten in etwa um die 9 Euro, es musste alles einzeln bezahlt werden.
Nach dieser "üppigen" Stärkung ging es dann gegen 11:00 Uhr in Richtung Gardasee. Zunächst fuhren wir parallel zur Inntalautobahn auf der B 171 bis Innsbruck. Diese Strecke ist ein wenig langatmig, da man durch viele Ortschaften fährt, man vermeidet es jedoch, den österreichischen Raubrittern die Maut in den Rachen zu werfen. Ohne uns in Innsbruck zu verfahren, kamen wir dann zur alten Brennerstraße. Diese ist doch recht ansprechend zu fahren und bietet neben zahlreichen Kurven und Kehren auch einen imposanten Blick auf die Europabrücke. Außerdem spart man 17 Euro Maut für 20 Kilometer Brennerautobahn.


Allerdings hatte ich so den Eindruck, als wären wir ziemlich langsam unterwegs gewesen, wurden wir doch ständig von irgendwelchen "Joghurtbechern" überholt. Wahrscheinlich mussten die Fahrer ihren Mädels hinten auf dem Sitzbrötchen beweisen, dass sie Moppedfahren können. Zahlreiche Kreuze am Wegesrand zeugen von Überholmanövern vor unübersichtlichen Kurven.
In Italien folgen wir dem Verlauf der SS 12, die vom Brenner über Brixen, Bozen, Trento weiter südlich führt und schließlich bei Lucca in der Toscana endet.
Wie immer in Italien, stellt sich auch diesmal wieder heraus, je weiter man südlich kommt, desto beschissener fahren die Italiener. Gut, dass wir für andere mitdenken, sonst läuft man Gefahr, nicht dort anzukommen, wo man hin will.
Ab Trento haben wir dann die ersten Bergpanoramen in Gardaseenähe genossen, da wir hier die SS 12, die doch recht gerade verläuft, verlassen haben und Richtung Toblinosee in die Berge gefahren sind.
Gegen 18:00 Uhr kommen wir dann in unserem Hotel an. Hier hätte es direkt vor der Tür noch fast einen "Klatsch" gegeben. Vier Motorräder stehen als Linksabbieger vor der Einfahrt. Kaum ist der Gegenverkehr weg, überholt uns der hinter uns wartende Blödmann noch. Hätten wir uns nicht noch vorher umgesehen, wäre es das wohl gewesen.
Nach der erforderlichen Dusche ist der Inhaber so freundlich und fährt uns mit dem Buli nach Torbole, wo erst einmal anständig auf die glückliche Ankunft angestoßen wird.

 

 

  1. Tag: Ruhetag mit Kurztour (61 Kilometer):

Beim Wachwerden macht sich ein leichter Brummschädel bemerkbar. Irgendwie muss der letzte Grappa wohl schlecht gewesen sein. Gut, dass für den heutigen Tag keine großartigen Touren eingeplant waren. Nach zwei Tagen auf dem "Bock" darf der Hintern auch ruhig mal geschont werden.
Das Hotel selbst ist recht nett, gleiches gilt für die Inhaber, ein noch recht junges Pärchen. Der Wirt selbst spricht außer italienisch nur ein paar Brocken "Broken English", sie einige wenige Sätze deutsch. Aber mit ein wenig Mühe, geht alles. Allerdings war die Nacht doch etwas unruhig. Stoner und Volker, die ihre Einzelzimmer im Erdgeschoß haben, berichteten von komischen Geräuschen aus den Lüftungsschlitzen. Scheinbar hatte dort eine tierische Familie Asyl gefunden. Darüber hinaus erfreuten sich die Zimmer offensichtlicher Beliebtheit zahlreicher Mücken, die mich als Opfer auserkoren hatten. Während H-Man davon verschont blieb, war ich derjenige, der darunter zu leiden hatte.


Einziger, aber doch gravierender Nachteil des Hotels ist die Lage. Das Hotel befindet sich direkt an der Verbindungsstraße zwischen Nago und Arco am Berghang gelegen, etwa 1 Kilometer von Nago und ca. 3 Kilometer von Torbole entfernt. Diese Straße ist für Fußgänger selbst bei Tageslicht nicht benutzbar, da sie einerseits sehr schmal und kurvenreich ist, andererseits jegliche Gehwege fehlen und der gesamte Schwerlastverkehr diese Straße benutzt. Somit ist man definitiv auf ein Fortbewegungsmittel angewiesen.
Nach dem Frühstück ging es dann nach Riva. Da alle anderen noch nicht am Gardasee waren, musste kurzfristig noch ein kleines Pflichtprogramm eingelegt werden, wozu Riva zweifelsfrei gehört.
Nach einem Stadtbummel mit dem obligatorischen Kaffee - oder anderen Getränken - zwischendurch, hatten wir nachmittags doch noch Lust auf eine kleine Ausfahrt. Also war die Serpentinenstrecke von Loppio herauf nach Ronzo Chienis und nach Arco wieder herunter die ideale Einstimmung für das, was uns in den nächsten Tagen noch erwarten sollte.


Nach der Ankunft im Hotel stellten wir wieder einmal fest, dass Stoner komplett ausgerüstet ist. Nun wussten wir auch, warum er auf seiner BMW, die über zwei Koffer und ein Topcase
verfügt, noch eine Gepäckrolle benötigt.
So ein Mopped will gepflegt sein, also wird es zwischendurch geputzt!
In der Zwischenzeit saßen wir anderen mit einem Weizen auf der Hotelterrasse und schauten Stoner bei der Arbeit zu. Kommt ja auch nicht so häufig vor......

 

  1. Tag: Gardaseerunde (215 Kilometer):

Der Blick aus dem Fenster zeigt uns einen verhangenen Himmel, Wolken und schlechte Sicht, der Wetterbericht sagt einzelne Schauer voraus. Da wir jedoch nicht zum Vergnügen hier sind, lassen wir uns von nicht ganz so gutem Wetter auch nicht abhalten, uns auf das Mopped zu setzen. Schließlich steht die Gardaseerunde auf dem Programm mit einzelnen Besichtigungsstopps.
Auf Limone müssen wir dank mangelnder Parkplätze verzichten, also geht es herauf nach Tremosine. Dies ist eine Hochebene mehrere hundert Meter direkt über dem See, bei gutem Wetter die ideale Aussichtsplattform.
In der Zwischenzeit hat es angefangen leicht zu regnen, so dass die kleinen kurvigen Straßen gefährlich glatt werden. Glücklicherweise sind es aber nur kurze Schauer, so dass wir auf die Regenkombis verzichten können.


In Pieve legen wir einen Zwischenstopp ein, um uns von den architektonischen Fähigkeiten der Italiener zu überzeugen. Hier gibt es ein kleines Restaurant, dass direkt über dem Abhang gebaut ist und wo man vom Fenster aus, etwa 400 Meter tief in den Gardasee schauen kann. Personen mit Höhenangst sollten diese Lokalität meiden.
Über Tignale geht es weiter über rutschige Straßen, bis wir bei Gargnano wieder auf die "Gardesena Occidentale", die westliche Gardaseestraße, stoßen.


Bei Salò genügte dann eine kurze Unaufmerksamkeit, um den Abzweig nach Decenzano zu verpassen, was einen Umweg von ca. 40 Kilometern bedeutet. So sehen wir dann auch Gegenden, in der sich wenige Touristen aufhalten und auf die man auch getrost verzichten kann. Die Umgebung von Brescia ist reinste Industrielandschaft und die Strecke von dort aus zurück zum See ist auch nicht gerade sehenswert.


Als nächster Stopp am See ist Sirmione eingeplant. Hier finden wir auch sogleich kostenfreie Kradparkplätze. Nachdem wir durch das Tor der eindrucksvollen Scalingerburg die Stadt betreten haben, die ausnahmsweise noch nicht so voll erscheint, wie sonst üblich, ist erst einmal eine kleine Stärkung angesagt.
Nach einem Stadtrundgang geht es wieder zurück zu den Krädern. In der Zwischenzeit wird es auch merklich voller - Glück gehabt!
Wir folgen weiter der Uferstraße und fahren über Peschiera, Lazise, Bardolino nach Garda, wo der nächste Kurzstopp eingelegt wird.
Leider muss unsere Fahrt über die Monte Baldo Rückseite ausfallen, da die einzige Zufahrtsstraße vom See aus wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Aber den anderen hat die Rückfahrt entlang des Ufers über Malcesine auch gefallen.
In Arco treffen wir dann auf zwei abgestellte französische Harleys. Nach genauer Begutachtung findet Stoner plötzlich den Zündschlüssel der einen Harley in unmittelbarer Umgebung. Gut, dass wir ehrlich sind und den Schlüssel bei der dortigen Polizei abgeben.
Am Marktplatz treffen wir dann noch auf die Harley-Fahrer. Unsere Hoffnung auf einen gemeinsamen Umtrunk auf deren Kosten erfüllt sich jedoch nicht.

 

  1. Tag: rund um die Brenta - Gruppe (248 Kilometer):

Auch für diesen Tag ist eine entspannte Runde eingeplant, gilt es sich doch einzufahren für die anstrengende Dolomitentour am nächsten Tag. Doch ein paar Kurven und Ausblicke sollten es schon sein. Das Wetter ist auch deutlich besser, als am Vortag, somit steht einem netten Motorradtag nichts im Wege.


Der Weg führte zunächst über Sarche zum Molvenosee, wo H-Man schon ein wenig panisch wurde, musste er doch auf Reserve umschalten und keine Tankstelle war in Sicht. Es fand sich jedoch 5 Kilometer weiter eine Tanke in Andalo.
Die Strecke nach Molveno ist immer eine reizvolle Angelegenheit, allerdings trübten heute die zahlreichen Baustellen den Fahrspass, insbesondere als herunter in das Nontal ging.
Weiter ging es über Clés nach Madonna di Campiglio auf 1650 Höhenmeter. Hier reduzierte sich die Temperatur von 27° im Val di Non auf 10° C. Bergab ging es dann weiter nach Tione, wo wir hinter dem Ort rechts nach Bolbeno und von dort aus über Kleinstraßen nach Fiave fuhren. Abschließend ging es am Tennosee vorbei nach Riva del Garda.


Beim Kaffee in Riva fiel uns doch noch ein, dass wir noch Bock auf eine kleine Runde hatten. Also kurz ein Blick auf die Karte und die Wahl fiel auf eine Runde durch die Marocche am Lago di Cavedine vorbei. Von dort aus ging es direkt in die Weinberge, um dann in der Nähe des Ortes Cavedine wieder auf eine breitere Straße zu kommen. Das Abendessen wurde diesmal in dem kleinen Ort Drena eingenommen.

 

  1. Tag: Große Dolomitenrunde (402 Kilometer):

Für den heutigen Tag war das Highlight der ganzen Woche geplant, es ging in die Dolomiten. Frühzeitig um 09:30 Uhr ging es los, zunächst über die SS 12 über Rovereto, Trento bis nach Auer. Von dort aus ging es in die Berge.
Der Weg führte von Auer aus über Cavaleze, Predazzo bis Moéna durch das Val die Fieme, das bei Fassa ins das Val die Fassa mündet. Die Straße führt dann weiter nach Canazei.
Ab Canazei ging es über zahlreiche Kehren hinauf zum Passo Pordoi, mit 2242 Metern der höchste Pass der Dolomiten. Obwohl hier reichlich Touristen waren, fanden wir doch noch ein relativ leeres Café, um ein Stück Kuchen zu essen.
Nach dieser Stärkung ging es herunter nach Arabba, um dort nach Corvara abzubiegen und in Richtung Grödner Joch zu fahren. Da wir anschließend nach Wolkenstein abbogen, hatten wir die Sella - Gruppe nur zu zwei Dritteln umrundet und den Sellapass ausgespart. Doch auch diese zwei Drittel boten schon ein beeindruckendes Schauspiel.


Ab Wolkenstein beginnt das Schlerngebiet, wo die Orte Wolkenstein, St. Christina, St. Ulrich und Kastelruth die bekanntesten sind. Über Seis und Völs ging es weiter über kleinere gut ausgebaute und kurvenreiche Straßen, ein wahres El Dorado für Kradfahrer.
Weiter ging es über Tiers zum Nigerpass, von wo man einen tollen Blick auf die Violettürme und den Rosengarten hat.
Da die Zeit ein wenig drückte, ging es dann weiter zum Karerpass und danach talwärts über Welschnofen nach Bozen, wo wir schließlich über die Autobahn nach Rovereto fuhren.

 

  1. Tag: Ruhetag

Nach den doch etwas anstrengenden letzten drei Tour-Tagen hatten wir uns vorgenommen, am heutigen Tag zu relaxen.
So kamen wir dann auf die Idee, mit dem Boot über den Gardasee nach Malcesine zu schippern und dort nach einem Stadtrundgang mit der Gondel herauf auf den Monte Baldo zu fahren.
Gesagt, getan. Obwohl unserem Volker bei dem Gedanken an einer Gondelfahrt nicht ganz wohl war, schlechte Erfahrungen in einem Sessellift in Verbindung mit einer gewissen Höhenempfindlichkeit dürften wohl die Ursache gewesen sein, stieg er doch mutig in die Gondel ein. Gruppendynamische Prozesse nennt man das wohl.
Auf dem Berg erwartete uns wunderbarstes Wetter, allerdings war die Sicht recht schlecht, da eine gewaltige Dunstglocke über dem See hing. Nichts desto trotz ließen wir es uns nicht nehmen, uns in einer der dortigen Hütten die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen.
Zurück in Malcesine überlegten wir kurz, ob wir noch eine Runde Krad fahren oder doch lieber relaxen wollten. Die Entscheidung nahm uns der Fahrplan der Gardaseeboote ab, fuhr das nächste Schiff zurück nach Torbole doch erst zwei Sunden später. Also kam Stoner als geborener Freizeitkapitän auf die glorreiche Idee, ein Motorboot zu mieten und eine Stunde auf dem See Vollgas zu geben. Durch vier Personen geteilt, war der Preis von 48 Euro pro Stunde akzeptabel.
Nach einer Stunde Spass machte es uns auch nicht viel aus, dass wir recht durchnässt waren. Unsere Kradbekleidung zeigte sich relativ unbeeindruckt, bei Stoners Jeanshose sah das jedoch anders aus. Es bleibt offen, wie viele Blicke er aufgrund der Feuchtigkeit im Schritt nachgezogen hat.

 

  1. Tag: rund um den Monte Pasubio bis Asiago (189 Kilometer):

Ursprünglich hatte ich geplant, dass uns die letzte Tagestour rund um den Idro- und Iseosee führen sollte. Allerdings hatte ich schon zu Beginn der Woche einen Tipp bekommen, mal in die Gegend um Asiago, also rund um den Monte Pasubio zu fahren.
Gute Tipps soll man nicht ignorieren, und dies war einer!
Zunächst ging es über Rovereto bis zum Castel Beseno. Dort zweigt die Straße nach Folgaria ab. Über die SS 350 ging es weitere nach Carbonare, nicht zu verwechseln mit den ähnlich klingenden Spaghetti, und dann weiter über die SS 349 über den Passo di Vezzena herunter nach Asiago. Weiter ging es über Roana und Rotzo nach Pedescala. Schon hier erfreuten kleine kurvenreiche Straßen das Herz der Kradfahrer. Allerdings sorgten Viehabtriebe für unschöne und mitunter gefährliche Hinterlassenschaften auf der Strecke.


Die nächste kurvenreiche Strecke führte von Pedescala über Terreno, wo Mittagspause angesagt war und dem Passo die Coè wieder zurück nach Folgaria.
Um nicht die gleiche Strecke, wie auf dem Hinweg zurück zu fahren, wählte ich erneut eine nicht bezifferte Landstraße nach Rovereto. Auch diese entpuppte sich als erlebnisreiche Strecke. Von Rovereto ging es zurück zum Hotel, wo noch die Taschen für die Heimfahrt gepackt werden mussten.
Logischerweise durfte ein Abschlußabend in Torbole nach dieser gelungenen Woche nicht fehlen!

 

 

  1. Tag: Rückfahrt Nago - Bielefeld (1016 Kilometer):

Für die Rückfahrt war Wecken um 06:30 Uhr angesagt, damit wir um 07:00 Uhr frühstücken und spätestens um 07:30 Uhr starten konnten.
Aus dem Frühstück wurde dann nichts, da ein Stromausfall alles lahmlegte. Später erfuhren wir dann, dass fast ganz Italien davon betroffen war.
Allerdings wurde es auch nichts mit einem pünktlichen Start, da Volker es am frühen Morgen überhaupt nicht eilig hatte. So wurde es dann fast 08:00 Uhr, bis wir endlich wegkamen - und das ohne Frühstück.
Unser Wirt war recht verzweifelt, dass wir hungrig losfuhren und dachte dabei wohl auch an seine anderen Gäste, die maximal ein Sparfrühstück bekamen. Zum Abschluss überließ er uns noch die Flasche Ramazzotti, die wir die gesamte Woche trinken wollten, er aber nicht vorrätig hatte. Diese kam erst samstags - zu spät.


Bei 9° C Wärme ging es dann zunächst über die Autobahn bis Sterzing, wo wir ein spätes Frühstück einnahmen. Die Pause war auch erforderlich, fing H-Man doch ein wenig an zu frieren. Er hatte schließlich die ungünstigste Sitzposition von allen.
Nach dem Frühstück warteten wir wieder auf Volker. Was war passiert? Wollte er nach dem Losfahren einem Metallteil auf der Fahrbahn ausweichen und musste dann auch noch abbremsen, weil sich seitlich schnell ein Fahrzeug näherte. Dummerweise ging das nicht gut und er hatte, von uns unbemerkt, sein Mopped in den Dreck geschmissen. Ärgerlicherweise mussten Blinker und Vollverkleidung dran glauben. Hatten wir die ganze Woche ohne Defekt oder ähnliches überstanden, damit auf der Rückfahrt so ein Mist passiert.


In Österreich hatte H-Man es plötzlich eilig und fuhr voran, ohne sich groß an Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten. Erstens bringt das nicht viel, zweitens werden in Österreich - gerade an Wochenenden - Geschwindigkeitskontrollen großgeschrieben und die Bußgelder sind deutlich höher, als bei uns. Außerdem musste Volker tanken, somit brachte das Ganze überhaupt nichts.
Gegen 13:45 Uhr kamen wir in Kufstein an. Da der Hunger sich wieder einmal bemerkbar machte, musste ein Mittagessen her. Dieses wurde in Kiefersfelden eingenommen. Eigentlich wäre aufgrund der fortgeschrittenen Stunde ein kleiner Snack sinnvoller gewesen, hatten wir schließlich noch 700 Kilometer zu fahren. Ich konnte mich mit dieser Überzeugung jedoch nicht durchsetzen, es hätte mir eigentlich auch egal sein können, hatte nicht ich, sondern H-Man am nächsten Morgen Frühdienst.
Auf deutschen Autobahnen merkte man plötzlich, dass die Zeit knapp wurde. Also wurde die Geschwindigkeit erhöht.
Das hatte zur Folge, dass H-Man kurz vor dem Kreuz Erlangen mit dem Überholen begann, obwohl ich mich als letztes Fahrzeug bereits eingeordnet hatte. Auf Lichthupe, Blinken Hupen wurde nicht mehr reagiert. Da ich den Fahrstreifen nicht mehr wechseln konnte, fuhr ich ab Erlangen allein weiter. Auch eine SMS an Stoner fand keine Reaktion mehr. Ab Bamberg fing es dann auch noch passend an zu regnen, so dass ich bis in die Rhön einen nassen Hintern bekam. Ab Fulda wurden die Straßen wieder trocken, so dass man wieder zügiger weiter fahren konnte.
Gegen 22:00 Uhr stellte ich dann zu Hause meinen Bock in die Garage.
Wie sich später herausstellte, hatten die anderen aufgrund des einsetzenden Regens sich später auch aus den Augen verloren.

 

Fazit:

Die gesamte Woche verlief harmonisch und wir hatten eine Menge Spass. Wir sind in schöne Gegenden gekommen und haben tolle Motorradstrecken kennengelernt.
Der letzte Tag war leider von einigen Pannen, Hindernissen und Missverständnissen begleitet. Es wäre schöner gewesen, wenn alle auch gemeinsam wieder angekommen wären. Aber Pannen passieren und man sollte nicht alles zu ernst nehmen.
Insgesamt war es wie im Jahr zuvor eine gelungene Tour!

Gesamtstrecke: 3.305 Kilometer
 

Motorradtour in die schweizerischen und französischen Alpen:
vom 04.09. - 09.09.2005

Teilnehmer:
Roman Loch
auf BMW K 1200 R

Th.-Oliver Kniephoff
auf Honda STX 1300 Pan European

 

Vorwort:

Nachdem im letzten Jahr die Motorradtour aus zeitlichen Gründen komplett ausfallen musste, sollte es in diesem Jahr in die Schweizer Westalpen bis hinunter in die französischen Seealpen gehen.
Die Teilnehmer der letzten Touren konnten oder wollten in diesem Jahr nicht, so dass es diesmal eine Zwei-Mann-Tour wurde. Somit hatte ich zwar eine komplette Strecke ausgearbeitet, aber im Vorfeld der Tour keine Unterkünfte gebucht.
Als Vorbereitungsliteratur diente zum einen der HB-Bild-Atlas Nr. 191 (Westschweiz), andererseits wurden viele Informationen über die französischen Alpen aus dem Internet heruntergeladen. Letzteres galt auch für das Kartenmaterial, wo Michelin eine kostenfreie Möglichkeit zum download bietet.

 

  1. Etappe: Bielefeld - Rheinfelden (677 Kilometer):

Natürlich dient die Anfahrtsetappe erst einmal nur dazu, sein "Zielgebiet" zu erreichen. Folglich nimmt man die schnellste Möglichkeit über die Autobahn. Aus Bielefeld bietet sich hier die Strecke über die A 33 - A 44 - A 7 - A 5 an, wo man schließlich ab Weil am Rhein der A 98 und nachfolgend der B 316 bis Rheinfelden folgt.
Die Stadt Rheinfelden gliedert sich in einen deutschen und einen schweizerischen Teil, wobei in der Schweiz die Benzinpreise deutlich unter den deutschen liegen (1,13 € zu 1,44 €).
Die Anfahrt verlief ohne Probleme, in Rheinfelden selbst fand ein Stadtfest statt, so dass die ursprünglich geplante Unterkunft belegt war und wir ausweichen mussten. Wir fanden dann in unmittelbarer Nähe eine zwar sehr schön am Rhein gelegene Unterkunft mit tollem Blick, die Zimmer konnte man jedoch bestenfalls als "Wohnklo" bezeichnen. Aber egal, wir wollten nur pennen und es war nur für eine Nacht. Hier in Rheinfelden eröffnete mir Roman, dass er "Extremschnarcher" ist, und dass es besser sei, für die Gesamtheit der Tour Einzelzimmer zu buchen, wollte man morgens ausgeruht starten.

 

  1. Etappe: Rheinfelden - Chateau d'Oex (282 Kilometer):


Morgens früh um 08:00 Uhr waren wir startklar. Allerdings mussten wir erst einmal für ein Frühstück sorgen, da es in der "Pension" keines gab. Da uns der schweizerische Teil von Rheinfelden interessierte, suchten wir hier nach einer Frühstücksmöglichkeit, was gar nicht so einfach war, da die Schweizer offensichtlich gerne etwas länger schlafen.
In einem Großmarkt fanden wir ein Restaurant, wo wir uns stärken konnten.
Danach begann die eigentliche Tour. Von Rheinfelden aus ging es über kleine kurvige Straßen in Richtung Gelterkinden. Dieses war ein gelungener Einstieg, zumal die nachfolgende Strecke über die B 2 bis Olten und dann weiter über die B 1 in Richtung Bern doch recht eintönig war. Sehenswert in diesem Bereich ist die hoch über der gleichnamigen Stadt thronende Aarburg.
Kurz vor Bern, in Kirchberg, bogen wir ab in Richtung Burgdorf, wo es weiter zum Thuner See ging.


Leider ist es in Thun so wie häufig an derartigen Seen, dass man kaum eine Möglichkeit findet anzuhalten und gleichzeitig einen Blick auf den See zu genießen, ohne erst längere Fußmärsche machen zu müssen. Erst außerhalb des Ortes ist dies möglich.
An der Nordseite des Thuner Sees ging es weiter nach Interlaken. Hier gibt es einige Stellen, wo es sich lohnt, einmal anzuhalten und über den See zu blicken, zumal das Panorama der naheliegenden Viertausender des Berner Oberlandes mehr als beeindruckend ist.
Bei Interlaken, und vor allem in Richtung Grindelwald, sahen wir die Ausmaße, die das Hochwasser Ende August hinterlassen hatte. Die Schweizer Armee unterstützte die Bevölkerung bei der Beseitigung der Hochwasserschäden. Zahlreiche Baustellen auf der Strecke waren die logische Konsequenz.


In Grindelwald hat man den ersten Blick auf das Finsteraarhorn (4.274 m) und natürlich auf die bekannten "Drei" Eiger, Mönch und Jungfrau. Der Ort selbst ist allerdings recht überlaufen. Wenn dies schon an einem Montag, so ziemlich außerhalb der Saison so ist, möchte ich nicht wissen, was während der Hochsaison und am Wochenende hier los ist.
Als Einkehrmöglichkeit sei eine nette Lokalität direkt am Parkplatz des "Oberen Gletscher" zu empfehlen, die einen schönen Blick auf die umliegende Bergwelt bietet.
Nach diesem Abstecher ging es zurück über Interlaken an die Südseite des Thuner Sees nach Spiez - sollte es eigentlich... Aber auch hier fiel die Bundesstraße dem Hochwasser zum Opfer. Uns sollte es recht sein, war doch die ausgeschilderte Umleitungsstrecke oberhalb der Bundesstraße die wesentlich schönere Alternative.


Von Spiez aus ging es durch das Simmental über Zweisimmen in das Saanental nach Gstaad und von dort aus zu unserem nächsten Etappenziel nach Chateau d'Oex, schon in der französisch sprachigen Schweiz nahe der französischen Grenze gelegen.
Diesen letzten Teil der Etappe kann ich nur wärmstens zum Nachfahren empfehlen, reiht sich hier doch Kurve sanft an Kurve. Ein herrliches lockeres Schwingen, und das über eine Strecke von fast 50 Kilometern.
In Chateau d'Oex nahmen wir Quartier direkt am Bahnhof im Hotel "Buffet de la Gare", eine angenehme und dennoch preiswerte Unterkunft (EZ/ÜF 30,00 €) mit kostenlosen Garagenparkplätzen für Motorräder.
Selbstverständlich durfte ein opulentes Abendmahl nicht fehlen - trotz der leicht erhöhten Preise in der Schweiz.

 

  1. Etappe: Chateau d'Oex - Valloire (327 Kilometer):

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es um 08:15 Uhr los. Zunächst folgten wir der B 11 durch kurviges Gelände bis nach Aigle, wo das dortige Schloß und die Weinberge bestimmend für den Ort sind. Die Nähe zum Genfer See lässt einen guten Pinot noir wachsen.
Einmal am Genfer See darf ein Abstecher nach Montreux nicht fehlen. Der mondäne Ferienort mit seinen fin-de-siècles-Hotels ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Leider reichte es nur zu einem kurzen Abstecher mit Halt am vorgelagertem Schloß Chillon, das seine Berühmtheit dem englischen Dichter, Lord Byron, verdankt, der mit seinem Roman "The prisoner of Chillon" das Schicksal des Genfer Priors Francois Bonivard beschrieb, der in seiner Heimatstadt die Reformation befürwortete, aber von katholischen Gegnern in den Kerker von Schloß Chillon verbannt wurde.
Ein zweiter Besuch galt - für mich selbstverständlich - dem Denkmal von Freddie Mercury an der Uferpromenade des Genfer Sees.

Wir verlassen die Schweiz und fahren am Südufer des Genfer Sees über Evian nach Thonon-les-Bains. Als Ferienort ausgewiesen, stellt sich der Ort als eine Großbaustelle mit zahlreichen Umleitungen und üblen Verkehrsgewirr heraus. Offensichtlich war ich so angenervt, dass mir hier ein kleines Mißgeschick passierte, das fast die Fortsetzung der gesamten Tour in Frage gestellt hätte.
Beim Tanken muss ich mich so unglücklich über das Mopped an die Zapfsäule gebeugt haben, dass sich dabei mein Moppedschlüssel im Tankschloß verbog. Trotz eifrigster Bemühungen ließ er sich nicht mehr richtig geradebiegen, so dass der Bock nicht mehr anspringen wollte.
Tolle Leistung - und kein Ersatzschlüssel dabei - schön blöd!
Glücklicherweise hatten wir an einem Supermarkt getankt, wo auch ein Schlüsseldienst beheimatet war. So war für 10,00 € schnell ein neuer Schlüssel hergestellt. Der Chip für die Wegfahrsperre im alten Schlüssel musste zwar von nun an immer zusammen mit dem neuen Schlüssel ans Schloß gehalten werden, aber es funktionierte. Allerdings hatten wir so reichlich Zeit eingebüßt.
Von Thonon-les-Bains ging es dann wieder in die Berge, und zwar über die D 902, die auch "Route des Grandes Alpes" genannt wird. Morzine - Clusés - Sallanches, mit Blick auf den leider durch Wolken verhangenen Mont Blanc - Megève und Albertville, Olympiaort der Winterspiele 1992, waren die Stationen in den Savoyer Alpen.
Ich habe die Kurven und Kehren nicht gezählt, aber durch einige musste ich meine "Pan" regelrecht durchquälen, zumal ab Megève eine Umleitungsstrecke ausgeschildert war, die durch herrliche, aber auch anspruchsvolle Kleinststraßen führte.
Nach Albertville war zunächst einmal Ende mit Kurvenspass. Die N 90 in Richtung Chambrey und die danach folgende N 6 (Richtung Turin) verlaufen recht gerade, bevor man in St. Michel de Maurienne nach rechts zum Col du Galibier abbiegt.
Eigentlich wollten wir noch bis Briancon fahren, aber der Zeitverzug und einsetzender Regen beendeten unsere Tagesetappe in Valloire, wo wir zwei Zimmer im "Hotel de la Poste" buchten.
Valloire ist ein reiner Touristenort, was sich auch in den Preisen widerspiegelt. Somit waren wir pro Zimmer 42,00 € (+ 7,00 € Frühstück) los.

 

  1. Etappe: Valloire - Sospel (315 Kilometer):

Eigentlich sind für diesen Tag Pässe satt geplant, doch der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes: es regnet in Strömen. Somit erfolgte beim Frühstück eine intensive Diskussion über den weiteren Verlauf der Tour.
Letztendlich blieben drei Optionen:
1. wir fahren weiter, wie geplant, trotz schlechter Wettervorhersage
2. wir drehen ab nach Italien und fahren über Turin an einen der norditalienischen Seen
3. wir fahren Richtung Grenoble und brechen die Tour ab
Nach Abwägung sämtlicher Optionen haben wir uns für das Weiterfahren entschieden. Wir sind ja schließlich keine Weicheier.
Also ging es zunächst über den 2.646 Meter hohen Col du Galibier, oftmals Bergwertung der höchsten Kategorie bei der Tour de France. Ich selbst käme zwar nie auf die Idee, dort mit einem Fahrrad hochzufahren, aber selbst bei schlechtem Wetter waren zu früher Stunde schon zahlreiche Radfahrer unterwegs.


Der Col du Galibier ist insbesondere bei Nässe nicht einfach zu fahren, zumal auch der Straßenbelag mehr als beschissen ist. Wohlige 3° C taten ihr übriges dazu bei, dass wir auf der Passhöhe mehr als begeistert waren. Der Schock kam, als wir aus dem Galibiertunnel (auf Passhöhe hat man noch einen ca. 200 Meter langen Tunnel in den Berg geschlagen) kamen - wir sahen plötzlich die Hand vor Augen nicht mehr. Auf der Südseite war das Wetter noch schlechter und wir standen mitten in den Wolken. Die Abfahrt zu dem auf 2.058 Metern Höhe gelegenen Col du Lautaret war ein einziges "Eiern" auf zwei Rädern. Der Col du Lautaret ist die Passhöhe, der N 91, die Grenoble mit Briancon verbindet. Die Wolkenlücken aus Richtung Briancon bekräftigten jedoch unsere Entscheidung, weiterzufahren.


Ursprünglich war geplant, ab Briancon weiter über den Col d'Izoard zu fahren. Hier sind wir von der ursprünglich geplanten Route abgewichen und haben diese Passhöhe ausgelassen, was sich später als sinnvoll erweisen sollte. Somit folgten wir der N 94 bis zum Abzweig nach Guillestre. Der Regen hatte in der Zwischenzeit aufgehört und die Sonne ließ sich blicken. Bei Guillestre stießen wir wieder auf die "Route des Grandes Alpes", der D 902, der wir über den Col de Vars bis Jausiers folgten.
Diese gesamte Strecke war sehr angenehm zu fahren, aber auch am Col de Vars schon recht anspruchsvoll.


Ab Jausiers ging es zum Col de la Bonette, mit 2.804 Metern Europas höchste Passstraße. Bergauf, noch bei gutem Wetter, war die Strecke mit schönen Kurven versehen, bedingt durch die enge Streckenführung mit vielen schmalen 180°-Kehren bei mangelnder Absicherung jedoch manchmal recht knifflig, auf alle Fälle nicht "Chopper-kompatibel".
Kurz vor der Passhöhe fing es - natürlich - an zu regnen und einzelne Schneefelder - frische wohlgemerkt - zeugten doch von recht niedrigen Nachttemperaturen. Die gemessenen 2° C ließen einen am Tag auch nicht wärmer werden.
Nach den obligatorischen Fotos von der Passhöhe - von der Landschaft sieht man gar nichts - ging es bei nun strömenden Regen abwärts in das Val de Tinée.
Abgesehen davon, dass die Straßen mehr als beschissen waren, sorgten noch diverse, achtlos liegengelassene Baustellen mit den typischen Verschmutzungen für das entsprechende Fahrgefühl bei Regen.
Das Val de Tinée muss bei schönem Wetter einfach grandios sein. Bei Regen hatten wir für die Schönheiten der Landschaft allerdings keinen Blick. Somit war in St. Sauveur sur Tinée erst einmal eine Kaffeepause und Aufwärmen angesagt.
Kurz danach war erst einmal eine Schrecksekunde zu überstehen. Unmittelbar nach einer 90° Kurve rauschten plötzlich kubikmetergroße Felsbrocken den Hang herab und zerbarsten keine 20 Meter vor mir auf der Straße. Kurze Vollbremsung, Blick nach oben und ab durch das Geröll. Ausweichen war nicht möglich, die ganze Straße lag voll. Danach erst einmal Vollgas - normalerweise kommt meist noch etwas hinterher - bis zur nächsten Anhaltemöglichkeit. Glück gehabt, nicht einmal die "Pan" hatte eine Schramme, von mir ganz abgesehen - das hätte übel ins Auge gehen können.
Durch den ganzen Stress habe ich dann irgendwie den Abzweig auf die D 2565 nach St. Martin-Vésubie verpasst. Also 20 Kilometer weiter ein erneuter Anlauf ins Val de Vésubie. In Lantosque sollte es dann auf die D 70 und weiter auf die D 2566 nach Sospel, dem heutigen Etappenziel, gehen.


Die D 70 haben wir nicht gefunden, statt dessen war die D 73 Richtung Nizza ausgeschildert. Da die Richtung in etwa passte, fuhren wir eben dort entlang.
Dieses hatte ich jedoch nicht besser gewusst. Die Straße war gerade einmal so breit, wie ein Pkw und führte mit einer durchschnittlichen Steigung von ca. 14% in den Berg. Die obligatorischen 180°-Kehren stiegen im Scheitelpunkt auch noch an. Gut, dass Roman nicht mit seiner Harley unterwegs war, wie er es ursprünglich vorhatte, er wäre spätestens hier stecken geblieben. Dazu führte die Strecke noch durch Kiefernwälder. Normalerweise kein Problem - aber bei Nässe.... Also wieder schön vorsichtig fahren. Irgendwie kamen wir schließlich nach L'Escarène und von dort aus über den Col de Braus nach Sospel.
Weiß der Geier, wie wir gefahren sind, gefunden haben wir die Straße auf der Karte jedenfalls nicht.
Nach 315 Kilometern Schwerstarbeit waren wir jedenfalls froh, in Sospel ein motorradfreundliches Hotel (Hotel de France) gefunden zu haben.

 

  1. Etappe: Sospel - Voiron (431 Kilometer):

Nach einer entspannten Nacht fuhren wir zunächst einmal an die nur 20 Kilometer entfernte Côte d'Azur. Das erste Ziel heißt Menton. Die Stadt selbst sagte uns überhaupt nicht zu. Abgesehen vom vorangegangenen Blick der französischen Seealpen auf das Mittelmeer und der Lage der Stadt direkt am Meer, überwiegt doch der Dreck und das Verkehrschaos.
Dieses ist überhaupt der herausstechende Eindruck von der Côte d'Azur. Man kann sagen, von Menton bis Cannes gibt es entlang der Küstenstraße 60 Kilometer Dauerstau.
Von Menton ging es nach Monaco. Klar, das Panorama auf Monte Carlo, insbesondere auf den Jachthafen ist schon beeindruckend, aber, ehrlich gesagt, möchte ich an der gesamten Küste nicht tot über dem Zaun hängen,


Der schönste Ort ist meiner Meinung nach Villefranche. Dieser liegt an einer nicht so überlaufenen Bucht und über der Stadt thront ein altes Kastell. Außerdem ist diese Bucht nicht mit lauter Hochhäusern verbaut.
Danach ging es nach Nizza. Diese Stadt würde ich mit Ausnahme der Vororte als Drecksloch der Côte d'Azur bezeichnen. Bloß schnell raus, aber gut gesagt, ist noch lange nicht getan. Stop and go ist angesagt. Ein Durchkommen mit Motorrädern kaum möglich. Wie es das Glück dann auch noch will, öffnete der Himmel seine Schleusen. Was vorher in Sospel noch wolkig war, wurde ab Nizza zum Dauerregen. Wir fuhren bzw. stauten uns noch bis Antibes und hatten danach endgültig die Schnauze voll von der Côte d'Azur.


Wir folgten der N 85 über Grasse - Digne nach Sisteron. Eigentlich war noch der Grand Canyon de Verdun vorgesehen, dieser Abstecher hatte bei strömenden Regen jedoch keinen geistigen Nährwert. Somit ließen wir auch unser Etappenziel Gap links liegen und fuhren weiter. Laut Wetterbericht sollte es weiter nördlich immer besser werden, aber der Regen folgte uns unerbittlich.
Wir hatten uns mittlerweile entschlossen, die Tour zu beenden und wollten erst einmal Strecke zurücklegen, um dann am nächsten Tag nach Hause zu fahren. Die Möglichkeit in Grenoble zu übernachten, verwarfen wir, da uns die Stadt regelrecht abschreckte. Wir fuhren weiter, bis wir völlig genervt und durchnässt in Voiron das erste Hotel nahmen. 62,00 € für die Übernachtung + 7,00 € (pro Person) für das Frühstück waren zwar wirklich nicht von schlechten Eltern, aber das Hotel hatte wirklich Flair. Außerdem hatten wir zwei Übernachtungen gespart, so glich sich das Ganze wieder aus.

 

6 Etappe: Voiron - Bielefeld (1.116 Kilometer):

Nachdem wir am gestrigen Tag so richtig den "Arsch nass gekriegt" hatten, wollten wir nur noch nach Hause. Also war Kilometerfressen über die Autobahnen angesagt.
Von Voiron aus ging es zunächst in Richtung Lyon, dann über Dijon - Nancy - Metz nach Luxemburg.
Hier eine kleine Stärkung und danach über Trier - Koblenz - Köln nach Hause.
Nach 12 Stunden waren die 1.116 Kilometer bewältigt.

 

Fazit:
Schade, dass das Wetter in Frankreich so schlecht war. Bei gutem Wetter hätten sich noch mehr fantastische Ausblicke ergeben und wir hätten die Tour noch mehr geniessen können, als wir es ohnehin getan haben.
Da wir witterungsbedingt einiges auslassen mussten, ist es durchaus wahrscheinlich, dass ich diese Tour irgendwann nochmals in Angriff nehme. Ich kann sie jedenfalls allen zum Nachfahren empfehlen.
Mal sehen, wohin uns der Weg im nächsten Jahr führt.

Gesamtkilometer: 3.150 km
 

Motorradtour in den Schwarzwald

 

 5 tägige Motorradtour in den Schwarzwald mit Ausflügen zum Bodensee und in den Elsass vom 16.09. - 20.09.2002:

 Teilnehmer:

Volker - Triumph Daytona

H-man - Suzuki Intruder

TOK - Honda STX 1300

 

Reiseführer und Kartenmaterial:
HB Bildatlas Nr. 139 - Südschwarzwald
HB Bildatlas Nr. 113 - Elsass

 

  1. Tag: Bielefeld - Titsee / Neustadt  (654 Kilometer):

 

Die Anfahrt erfolgte naturgemäß über die Autobahn, waren doch einige Kilometer zurückzulegen. Somit ging es über die A 33 - A 44 - A 7 bis Hattenbacher Dreieck, danach über die A 5 - A 67 - A 6 und wieder A 5 bis Offenbach. Hier wollten wir eigentlich von der Bahn, aber unser H-man verpasste die Abfahrt. Also eine Abfahrt weiter bis Lahr und von dort aus ging es über die B 415 nach Biberach, weiter auf die B 33 ber Haslach, Hansach, Hornburg nach Triberg. Hier auf die B 500 über Schönwald, Furtwangen nach Hinterzarten und von dort über die B 31 nach Titisee / Neustadt. Die Strecke über Land war recht angenehm zu fahren und ist durchaus zu empfehlen.

Das Hotel liegt am Ortsrand in einer ruhigen Seitenstraße, hat aber leider keine Garagenplätze für die Motorräder.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, ging es natürlich zu einer ersten Ortsbesichtigung in die Stadt. Titisee / Neustadt ist ein typischer Kurort mit all seinen Erscheinungsformen. Das Preis-Leistungsverhältnis passt nicht! Die Restaurantwahl bei einem Italiener war auch nicht das Gelbe vom Ei, gab es doch noch nicht einmal einen gescheiten Rotwein, so dass wir zu Pasta Weizenbier trinken mussten. Hier müssen wir uns noch einiges einfallen lassen.

 

  1. Tag: Ausflug zum Bodensee (292 Kilometer):

Nach einer recht schlechten Nacht gab es erst einmal ein reichhaltiges Frühstück, bevor wir uns gegen 10:00 Uhr in Richtung Bodensee aufmachten. Unsere Moppeds waren mit einer dicken Raureifschicht überzogen und es war trotz herauskommender Sonne mit 8° C noch ganz schön schattig.

Unsere Fahrt ging zunächst über die B 315 von Titisee nach Bonndorf und von dort aus über kleine romantische Landstraßen nach Blumberg . Noch kleinere Straßen wiesen den Weg über Leipferdingen, Anselfingen nach Engen.

Von dort aus ging es über die B 491 nach Stockach und weiter über Überlingen nach Meersburg. Nach einer kleinen Stärkung und der Besichtigung der wirklich sehenswerten Altstadt ging es mit der Fähre über den Bodensee nach Konstanz.

 Weiter über die Grenze in die Schweiz und parallel zum Bodensee über die B 13 in Richtung Schaffhausen. Bevor wir uns dort den legendären Rheinfall angesehen haben, der eigentlich in Neuhausen liegt, ging es zuvor in das malerische Städtchen "Stein am Rhein". Dieses beeindruckt durch fresken- und wandmalereiverzierte Fassaden rund um den Rathausplatz.

Zurück in Deutschland führte uns der Weg zunächst nach Waltshut und von dort aus über die B 500 wieder zurück nach Titisee / Neustadt.

 

 

  1. Tag: kleine Elsassrunde (312 Kilometer):

Da für den nächsten Tag Regen angesagt ist, haben wir die Elsassrunde vorgezogen und auf dem Weg dorthin zunächst einen Abstecher zu dem bekannten Aussichtspunkt "Schauinsland" gemacht. Die Strecke ab Todtnau war sehr ansprechend, gleiches gilt für die Straße nach Freiburg von "Schauinsland" herab. Leider war es, wie so oft in der Gegend, recht diesig, so dass man nicht viel sehen konnte. Aber selbst an einem Mittwochmorgen war hier schon reichlich Touristen, so dass man sich vorstellen kann, wie es hier am Wochenende aussieht. Für Motorradfahrer ist diese Strecke auch am Wochenende und an Feiertagen gesperrt - man ahne warum!

Von Freiburg aus ging es zunächst über die B 31 in Richtung Breisach. Danach folgten wir ein kurzes Stück zwischen Wasenweiler und Ihringen der badischen Weinstraße. Durch wirklich kleine Straßen führte der Weg durch die badischen Weinberge. Ab Breisach ging es weiter dann nördlich am Kaiserstuhl vorbei in Richtung Sasbach, bis wir dann bei Mardolsheim die französische Grenze passierten. Hier fuhren wir weiter bis nach Selestat und zur Haut Koenigsbourg. Hier gab es dann den ersten Vorgeschmack auf das Kurvenfahren in den Vogesen. Ganze 8 Kilometer lang jegte eine Kehre die nächste, bis wir endlich oben waren. Auch hier konnte man wegen des Dunstes leider nicht viel sehen.

Als nächstes stand Riquewihr auf dem Programm. Also wieder herunter nach St. Hypolythe und Ribeauvillé bis wir zu diesem alten Ort kamen. Auch hier Tourismus pur - die Preise waren noch versauter, als vor 8 Jahren, als ich das letzte Mal hier war. Eigentlich wollten wir hier eine Kleinigkeit essen, aber bei 5,00 € für ein kleines Stück Zwiebelkuchen wollte der Magen auch nichts mehr. Weil aber doch was rein muss, beschränkten wir uns auf ein kleines trockenes Baguette und zwei Brezel.

Danach war wieder Kurvenfahren angesagt. Bis wir jedoch die Hochvogesen erreichten, war noch ein Stück "Bundesstraße" zu bewältigen. Ab Sigolsheim ging es über die D 415 über Kayserberg, Lapoutroie zum Col du Bonhomme. Hier links abbiegen und dann beginnt der Kurvenspaß! Allerdings musste H-man bei einer kurzen Kippenpause für Volker erst einmal seine "Trude" in den Schotter legen - nichts passiert, noch nicht einmal eine Schramme, also Glück gehabt und weiter zum Col de la Schlucht, der auch einer selbigen liegt. Auf dieser kleinen kurvenreichen Strecke waren auch nur wenige Fahrzeuge, somit konnte man das Mopped ein wenig fliegen lassen. Allerdings führte dann der nächste Weg nach Colmar wieder über eine Bundesstraße, der D 417, wo Schilder auf 72 Verkehrstote allein im Jahr 2001 doch auf deren Gefährlichkeit hinwiesen. Wenn man hier natürlich so heizt, wie uns das mache Franzosen vormachten und dabei wie ein Bekloppter überholt, kann der Weg auch schnell in die Blechkiste führen. 

In Colmar war erst einmal ein gescheites Abendessen fällig. Eine Sauerkrautplatte gehört unbedingt zu den kulinarischen Genüssen, die man sich im Elsass gönnen sollte. Allerdings scheinen die Franzosen leichte Probleme mit britischen Motorrädern zu haben, fand sich bei der Rückkehr zum Abstellort doch auf der Sitzbank von Volkers Triumph eine große "grüne" Hinterlassenschaft. Das es mittlerweile dunkel war, haben wir von Colmar leider nicht mehr allzu viel gesehen und wir mussten uns sputen, nach Titisee zurück zu kommen. Allerdings ist bei Dunkelheit erhöhte Vorsicht auf der B 31 geboten. Im sogenannten "Höllental" an der Ravennaschlucht gibt es einige eklige Kurven, die gerade bei Dunkelheit nicht sonderlich gut zu erkennen sind.

 

  1. Tag: kleine Schwarzwaldrunde (105 Kilometer):

Der Blick aus dem Fenster versprach nichts Gutes. Hatte der Wetterbericht schon schlechtes Wetter angesagt, wurde diese Schreckensmeldung tatsächlich Realität. Also war beim Frühstück die Frage: Fahren wir oder nicht? Wir entschlossen uns zu einer kleinen Vormittagsrunde in Richtung Waldkirch. Zunächst die B 500 Richtung Furtwangen, um dann nach St. Peter links abzubiegen. Die ersten sechs Kilometer entpuppten sich als wahrer Albtraum, hatten Bauarbeiter doch auf dieser Strecke komplett die Fahrbahn aufgefräst. Somit war bei Regen höchstens eine Geschwindigkeit von 30 km/h möglich. In St. Peter geht es dann ab ins berühmt berüchtigte Glottertal. Da uns die Schwarzwaldklinik eh' nicht gefallen hat, bogen wir nach rechts ab und fuhren durch den Kandelwald nach Waldkirch. Inzwischen hatte es richtig heftig angefangen zu regnen und wir konnten die recht schöne Strecke nicht richtig geniessen. In Waldkirch ging es rechts durch den Ortsteil Kollnau nach Gutach und dann weiter wieder in Richtung Furtwangen durch den Simonswald. Zum Schluss ging es dann weiter über die B 500 zurück nach Titisee.

 

Freiburg

Für den Nachmittag war Sightseeing in Freiburg angesagt. Allerdings fuhren H-man und ich allein und zwar mit der Bahn. Das Sauerkraut von gestern hatte bei Volker durchschlagende Wirkung. Bei dem schlechten Wetter beschränkten wir uns in Freiburg auf eine Besichtigung der Innenstadt. Hier stellten wir dann fest, dass man in trunkenem Zustand besser nicht durch Freiburg läuft, da die Gefahr sehr groß ist, in die von der Dreisam gespeisten "Bächle" zu fallen. Ansonsten ist Freiburg eine nette kleine Stadt, in der die Sehenswürdigkeiten nah bei einander liegen und die für den Besucher ein nettes Flair versprüht.

 

5 Tag: Titisee - Sugenheim (Abreise) (349 Kilometer):

Der Abreisetag führte uns nicht nach Hause, sondern ins Frankenland, wo wir uns mit einigen Kollegen trafen. Da das Wetter wieder recht durchwachsen war, nahmen wir die kürzeste Verbindung. Also zunächst über die B 31 bis Donaueschingen, dann über die A 81 bis Heilbronn, weiter über die A 6 bis zum AK Feuchtwangen. Von dort aus ging es über die A 7 bis zur Anschlussstelle Uffenheim, danach noch 20 Kilometer Landstraße bis Sugenheim.

 

Fazit:

Die Gegend ist auf alle Fälle eine Reise wert. Nur sollte man sich etwas mehr Zeit lassen, drei Tage vor Ort reichen keinesfalls aus, um alles zu sehen. Spielt das Wetter auch noch mit, sind dem Fahrspaß keine Grenzen gesetzt.

Gesamtkilometerzahl: 1712 km