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Motorradtour in die Bretagne vom 31.05. - 14.06.2018

 

Vorwort:

 

Nachdem wir schon seit vielen Jahren die Absicht haben, mit dem Motorrad in die Bretagne zu fahren und dies aus unterschiedlichsten Gründen bislang immer nicht geklappt hat, war es dieses Jahr endlich soweit. Eine längere Tour bedarf natürlich gewisser Vorbereitungen und nach dem Studium zahlreicher Reiseführer hatten wir uns ein grobes Rahmenprogramm gesteckt, wohl wissend, dass sich nicht alles realisieren lässt und wir uns auf kurze Stippvisiten beschränken mussten.

Vieles lässt sich in diesem Reisebericht einfach nicht beschreiben, die einzelnen besuchten Orte geben soviel her, so dass ich einige "Links" gesetzt habe, um dem interessierten Leser noch den Zugang zu einigen Zusatzinformationen zu geben.

 

1. Tag: Bielefeld - Aachen                      (Karte)
365 Kilometer

Am 31. Mai, morgens um kurz vor sechs Uhr ging es bei angenehmen Temparaturen los. Nach einer kurzen Autobahnfahrt über die A 33 ging es durch das Sauerland. Kurz vor Lennestadt machten wir in einer kleinen Bäckerei eine Frühstückspause.
Über das Siegerland ging es in den Oberbergischen Kreis, wo sich gegen 10:30 Uhr kurz vor Hennef drohende Gewitterwolken auftürmten. Somit war Eile angesagt. Eigentlich war es der Plan, an Bonn vorbei über Düren in Richtung Aachen zu fahren. Regen stört uns zwar weniger, aber bei Gewitter ist es einfach zu gefährlich. Also schnell im Navi die kürzeste Strecke eingegeben, die uns auf die A 3 und dann auf die A 4 bis nach Aachen führte. Wir hatten Glück und konnten das Gewitter umfahren und kamen gegen 11:45 Uhr somit zwei Stunden früher als geplant in Aachen an. Somit hatten wir auch zwei Stunden länger Zeit, den Nachmittag mit Tochter, Schwiegersohn und Enkel zu verbringen.

 

2. Tag: Aachen - Gent                              (Karte)
209 Kilometer

Morgens um 05:00 Uhr weckt mich ein heftiges Gewitter in unserem Hotelzimmer. Die Wetterprognose verheißt nichts Gutes. Unwetterartiger Regen ist angesagt. Das Hotel in Gent war das Einzige, das wir vorgebucht hatten, jetzt ärgere ich mich ein wenig. Bei der Prognose wären wir sonst noch einen Tag länger in Aachen geblieben, jetzt müssen wir fahren. Wir lassen es aber erst einmal ruhig angehen und frühstücken ausführlich. Gegen 10:45 Uhr machen wir uns dann auf den Weg nach Gent. Ohne komplette Regenbekleidung geht gar nichts. Zuerst führt der Weg nach Maastricht und dann über Hasselt in Richtung Mechelen.
Zwischenzeitlich regnet es so stark, dass die Straßen überflutet werden. Die Regenkleidung hält dicht, nur die Handschuhe muss ich zwischendurch auswringen. Zum Regen kommen auch noch die "Fähigkeiten" belgischer Autofahrer, der Verkehr ist einfach nur chaotisch. Wir sind froh, als wir gegen 15:00 Uhr Gent erreichen.

Nach einer ausgiebigen Dusche sind wir bereit zur Stadtbesichtigung. Der Regen hat nachgelassen, zwischendurch gibt es auch mal ein paar trockene Momente. Gent ist eine wunderschöne alte Stadt, in der die Sehenswürdigkeiten nah beieinander liegen. Schade, dass wir nicht mehr Zeit zur Verfügung haben, hier lohnt auf alle Fälle ein längerer Aufenthalt. Ganz besonders gut gefallen hat uns die "Graslei", eine alte Fachwerkzeile an der "Leie", wo zahlreiche Bars und Restaurants angesiedelt sind.

 

 

3. Tag: Gent - Amiens                              (Karte)
248 Kilometer

Wir verlassen Gent mit der Absicht noch einmal für einen längeren Aufenthalt wiederzukommen und machen uns auf den Weg nach Brügge, wo wir gegen 11:00 Uhr ankommen. Im Gegensatz zu Gent, wo es im Innenstadtbereich zahlreiche Motorradparkplätze gab, suchen wir hiernach in Brügge vergeblich. Die wenigen, die wir finden, waren allesamt belegt. Also parke ich unsere "Pan" kurzerhand auf dem Gehweg.

Auch Brügge hat, wie Gent, eine schöne historische Altstadt. Leider fehlt auch hier die Zeit, sich alles genauer anzusehen und so bleibt nur ein kurzer Eindruck. Den Marktplatz und den "Provinciaalhof" sollte man sich aber auf alle Fälle anschauen. Darüber hinaus gibt es noch weitere schöne Ecken, die einen Besuch lohnen. Somit konnte es für uns auch nur heißen: einmal schnuppern und dann mal schauen, was man sich später noch mal intensiv anschaut.

Aus Brügge herauszukommen erweist sich als genauso schwierig, wie die Parkplatzsuche. Im Stopp-and-Go-Verkehr quälen wir uns aus der Altstadt heraus. Danach geht es über kleinere Straßen in Richtung Frankreich. Wir fahren an Lille vorbei und rollen gemütlich über kleinere Departementsstraßen in Richtung Amiens, unserem heutigen Etappenziel. Ein paar Regentropfen fallen aus dem bedeckten Himmel und es sieht nach mehr aus. Also rein in die Regenkombi. Die Drohung hilft und der Regen verzieht sich.

Gegen 15:00 Uhr kommen wir in Amiens an und finden ein absolutes Baustellenchaos vor, so dass wir schon den nächsten Ort aufsuchen wollten. Wir finden jedoch ein Hotel, sogar mit Garagenplatz für die "Pan". Gut, dass wir nicht weiter gefahren sind! Die Innenstadt erweist sich abseits der Baustellen als absolut sehenswert. Nicht nur die Kathedrale "Notre Dame", Frankreichs größte gotische Kathedrale, in der das Pariser Pendant angeblich vier Mal hereinpasst, sondern insbesondere das alte Stadtviertel "St. Leu" mit seinen vielen, an einem Seitenarm der "Somme" gelegenen Bars und Restaurants, hat einen ganz besonderen Charme. Hier essen wir, am Wasser sitzend und mit Blick auf die mächtige Kathedrale, zu Abend. Einige Gläser Weißwein lassen unser Französisch im Laufe des Abends immer besser werden.

Den einzigen Negativpunkt spüren wir im Laufe des darauffolgenden Tages: Im Hotel gab es Bettwanzen - nicht schön!

 

4. Tag: Amiens - Deauville                     (Karte)
213 Kilometer

Bei bestem Wetter starten wir morgens gegen 09:00 Uhr in Amiens. Die Fahrt geht zunächst nach Rouen. Wenn man in die Stadt hereinfährt, stößt man unweigerlich auf die Abteikirche "Saint-Ouen". Aufgrund deren Größe und ihrer Lage kann man sie erst einmal für die Kathedrale halten. Diese versteckt sich jedoch in der Altstadt. Leider gibt es in der wirklich schönen alten Stadt keine vernünftige Ausschilderung. Wir nehmen uns ein Stunde Zeit für eine Stadtbesichtigung, danach sind wir nassgeschwitzt.

Wir verlassen Rouen und fahren zu unserem Tagesziel nach Deauville, einem mondänen Badeort am Ärmelkanal. Wir haben dank der Touristinformation schnell ein Hotel gefunden und waren startklar für einen Stadtbummel. Alte Villen und ein großes Casino an der Strandpromenade zeugen von gut betuchtem Klientel. Ein unheimlich brieter Sandstrand lädt zum Verweilen ein. Dort verharren wir, bis sich der Hunger bemerkbar macht. Wir finden ein nettes Restaurant, das Festpreismenüs zu vernünftigen Preisen anbietet und lassen den Abend ausklingen.

 

 

5. Tag: Deauville - Avranches                 (Karte)
247 Kilometer

Gegen 09:00 Uhr verlassen wir Deauville und steuern zunächst einmal eine Tankstelle an. An die Spritpreise in Frankreich muss ich mich erst noch gewöhnen, 1,70 Euro für den Liter Super sind schon eine Ansage. Wir sind gerade erst einige Kilometer unterwegs, da ist schon der nächste Stopp fällig. Die Regenkombis müssen ausgepackt werden, denn es fängt richtig an zu schütten. War gar nicht so vorausgesagt.

Unser erstes Ziel ist Vierville-sur-mer, was einigen zunächst nicht allzuviel sagen wird. Spätestens, wenn man den Begriff "Omaha-Beach" nennt, weiß man, um welch geschichtsträchtigen Ort es sich handelt. Heimlich, still und leise lassen wir einen winzigen Teil dieses Ortes in unsere Tasche wandern, nämlich in Form einer kleinen Tüte Sand. Zeitgleich mit uns befindet sich eine Gruppe britischer Veteranen vor Ort, was für etwas Beklemmung sorgt. Eigentlich müsste jeder deutsche Schüler verpflichtet werden, diesen Ort aufzusuchen, niederzuknien und den damaligen aliierten Truppen zu danken.

Wir fahren weiter südwärts zum Mont-Saint-Michel. Hier wird man automatisch zu Shuttle-Parkplätzen geleitet. Das Parkticket für das Motorrad kostet 4,00 Euro, der Bustransfer zum "Kirchenhügel" ist kostenlos. Somit ist dies vernünftig gelöst, anders wäre es bei den Touristenmassen, die insbesondere in der Hauptsaison den Mont-Saint-Michel bevölkern, überhaupt nicht zu steuern. Da wir außerhalb der Saison dort sind, ist es weniger schlimm, als befürchtet. Sicherlich ist es voll, aber noch erträglich. Da es vor kurzem am Mont-Saint-Michel einen Anschlagsversuch gegeben hat, können wir unsere Helme und Jacken nicht mehr in die dortigen Gepäckfächer einschließen und müssen sie mitnehmen. Danke allen Verblendeten, die der Menschheit das Leben so viel einfacher machen...
So verzichten wir darauf den Berg ganz zu erklimmen und uns die Kirche anzuschauen und beschränken uns auf den kleinen Ort und die Umgrenzungsmauer. In unseren Reiseführer stand zudem, dass man sich für einen ausführlichen Besuch des Mont-Saint-Michel einen ganzen Tag Zeit nehmen muss.

So fahren wir weiter nach Avranches, dem heutigen Etappenziel. Wir haben uns die Hotelsuche mittlerweile ein wenig vereinfacht. Es reicht, wenn man eine Stunde vor Ankunft über das Internet ein Hotel bucht, somit hat man dann auch gleich für das Navi die komplette Adresse. Allein die Suche nach einem Restaurant gestaltet sich in Avranches etwas schwierig. Es ist Montag und da sind nahezu alle Restaurants geschlossen. Somit gibt es Schmalspurkost: für jeden ein Baguette und ein Sixpack Leffe - reicht auch.

 

6. Tag: Avranches - Saint-Malo                 (Karte)
210 Kilometer

Von Avranches führt uns der Weg bei bedecktem Himmel, aber ohne Regen, zunächst in das ca. 35 Kilometer entfernte Fougères, den ersten Ort in der Bretagne, den wir besuchen. Er wird dominiert von einer mächtigen Burg, die die komplette Unterstadt umschließt. Von der Oberstadt aus einem schön angelegten Park heraus, hat man einen schönen Blick auf Burg und Unterstadt.

Weiter gehts es nach Vitré, ca. 30 Kilometer südlich von Fougères gelegen. Auch dieser Ort besticht durch eine schöne kleine, verwinkelte Altstadt mit einer beeindruckenden Dreiecksburg.

Nach Vitré sollte eigentlich Rennes, die Hauptstadt der Bretagne, auf dem Programm stehen. Allein das Hereinfahren in die Stadt entpuppte sich als völlig chaotisch. Obwohl der Reiseführer eine schöne Altstadt beschrieb, waren wir von der Hektik und dem Chaos, das dort herrschte, völlig genervt und verzichteten auf einen Besuch. Vielleicht ist uns wirklich etwas entgangen, wir wissen es nicht.

Wir fuhren direkt weiter nach Dinan, das sich als absolutes Highlight des Tages entpuppte. Schon die Anfahrt über den großartigen Viadukt mit dem Blick auf die Unterstandt und dem kleinen Hafen an der "Rance" war ein optischer Leckerbissen. Die ganze Stadt ist ein einziges Museum. Eine derartige Ansammlung von altem Fachwerk ist selten zu sehen. Mein erstes Gefühl sagte mir, dass selbst Rothenburg ob der Tauber hier noch übertroffen wird. Ein absolut sehenswerter Ort.

Den Abschluss des Tages bildete Saint-Malo, die alte Seefahrerstadt am Kanal. Vom Hotel aus waren es ca. 700 Meter bis in die alte bewehrte Innenstadt "Intra muros". Diese ist komplett mit begehbaren Festungsanlagen umschlossen und noch nahezu ursprünglich erhalten. Neuere Bauten sind in die alten Gemäuer nahtlos integriert. Auch hier bleibt - mal wieder - festzustellen: ein Besuch lohnt auf alle Fälle, wir hatten deutlich zu wenig Zeit.

 

7. Tag: Saint-Malo - Perros-Guirec       (Karte)
181 Kilometer

Für den heutigen Tag war lediglich eine kleine Überführungsetappe mit kurzen Zwischenstopps nach Perros-Guirec geplant. Der erste dieser Stopps erfolgte in St.-Cast-Le-Guildo, wo man den unglaublichen Tidenhub an der französischen Westküste von bis zu 15 Metern anhand der auf Grund liegenden Fischerboote gut nachvollziehen kann. Weiter ging es zum Cap Fréhel, einer beeindruckenden Steilküste.

Wir folgten der Küstenstraße über Erpuy, St.-Brieuc nach Paimpol, wo wir eine kurze Kaffeepause einlegten. Von dort aus ist es nur ein kurzer Abstecher zur Île-de-Bréhat, was eigentlich ein ganzer Archipel kleinster Inseln ist.

Der heutige Tag ist recht nasskalt, die Temperaturen liegen gerade einmal bei 14° Celsius. Glücklicherweise regnet es nicht. Dennoch sind wir froh, dass wir gegen 14:00 Uhr unser Ziel Perros-Guirec erreichen, wo wir im "Grand Hôtel" nächtigen. Der Name erinnert an alte herrschaftliche Zeiten, so sieht das Hotel auch aus. Allerdings könnte es mal wieder eine Erneuerung gebrauchen, den Charme vergangener Zeiten hat es jedoch behalten. Die Aussicht aus dem Zimmer mit direktem Meerblick ist jedenfalls grandios.

Ein Stadtbummel darf auch hier nicht fehlen, man merkt, dass sich hier im Sommer viele Touristen tummeln. In der Vorsaison ist jedoch alles sehr entspannt und angenehm.

 

8. Tag: Perros-Guirec

Heute gönnen wir unserer "Pan" und uns einen Ruhetag. Der Himmel ist bedeckt, aber es ist trocken. Vorsichtshalber nehmen wir unsere Regenjacken aber mit. Wir wollen gemütlich zu Fuß am Strand entlang die "Côte-de-Granit-Rose" erkunden. Über dem Zöllnerpfad, dem "Sentier-des-douarniers" geht es ins ca. 5 Kilometer entfernte Ploumanac'h. Zahlreiche unterschiedliche Felsformationen, die alle vom Wasser rund abgeschliffen sind, lassen Interpretationsspielräume für alle möglichen Bildnisse, die man meint daraus erkennen zu können, sei es ein Hamster, ein Elefant oder ein Bär, alles aus rosa schimmernden Granitgestein. Man kann wirklich deutlich erkennen, weshalb die Küste diesen Namen trägt. Am Leuchtturm von Ploumanac'h angekommen, blicken wir auf eine kleine vorgelagerte Insel, auf der ein kleines Schloss steht. Dieses ist im Besitz von Dieter Hallervorden und man kann es sogar für einen erheblichen Betrag mieten. Das überschreitet aber ganz deutlich unser Budget.

Wir gehen entspannt wieder zurück, gönnen uns einen ausgiebigen Mittagsschlaf und erkunden danach weiter diesen gemütlichen Ferienort. Ein schönes Abendessen rundet diesen gelungenen ruhigen Tag ab.

 

9. Tag: Perros-Guirec - Douarnenez     (Karte)
325 Kilometer

Nach mehreren Tagen scheint heute mal endlich wieder die Sonne. Von Perros-Guirec starten wir über Lannion und Morlaix nach Roscoff, einer Fährhafenstadt und bekannt durch den Zwiebelanbau. Von Roscoff geht es auch zur nahe gelegenen "Île-de-Batz". Roscoff ist ein kleiner malerischer Ort, in dem auch einmal Maria Stuart als fünfjähriges Mädchen gelebt haben soll.

Ursprünglich sollte es an Brest vorbei an die westliche Atlantikküste nach "Le Conquet" gehen, von wo man bei gutem Wetter einen schönen Blick auf die "Île Molène" haben soll. Diese und die "Île d'Ouessant" sind Bestandteil des "Parc Naturel Régional d'Amorique". Irgendwie leitete mich unser Navi jedoch direkt nach Brest herein, wo wir auf eine Umleitung stießen. Nach deren Umfahrung sollte es wieder in die gleiche Richtung gehen. Da wir uns noch einiges anschauen wollten, drehten wir einfach wieder um. Der Weg führte uns dann nach St.-Thégonnec, einem alten Kalvarienberg mit einer mittelalterlichen Kirche.

Als nächstes stand die Halbinsel "Crozon" auf dem Programm. Hier wollten wir unbedingt an die Steilküste zum "Pointe-de-Penhir". Dieser Abstecher hat sich auf alle Fälle gelohnt. Schon bei schönem Wetter kann man sich die Naturgewalten vorstellen, die diese Küste bei Sturm heimsuchen. Auf alle Fälle nehmen wir von hier beeindruckende Fotos mit.

Unser Tagesziel war Douarnenez, eine alte Fischerstadt, die durch die Sardinenfischerei bekannt und reich geworden war. Die Stadt besitzt insgesamt 3 Häfen, den alten Hafen, den Fischereihafen und den Museumshafen. Vorgelagert ist die "Île Tristan", die eine bedeutende Rolle in dem Roman von Jean Luc Bannalec "Bretonische Flut" spielt.
Ein besonders exquisites Abendessen rundete diesen Tag ab.

 

10. Tag: Rund um Douarnenez           (Karte)
211 Kilometer

Wir hatten gestern kurzfristig eine zweite Übernachtung in Douarnenez gebucht, damit wir bei unseren weiteren geplanten Besichtigungen nicht in Stress geraten. Eine weise Entscheidung, wie es sich herausstellte.
Der Tag begann mit einem kräftigen Gewitter, daher kamen wir erst gegen 10:00 Uhr los.

Wir fuhren zunächst in das nur 10 Kilometer entfernte Locronan, einem urigen Mittelalterdorf, das komplett so erhalten ist und in dem zahlreiche Filme gedreht werden, die im Mittelalter spielen.

Weiter ging es in die Hauptstadt des Départements "Finisterre", nach Quimper. Auch diese Stadt besticht durch altes Fachwerk und ist absolut sehenswert. Es lohnt auch, einen Blick in die Markthallen zu werfen, wo insbesondere frische Meeresfrüchte und andere regionale Spezialitäten angeboten werden.

Selbstverständlich durfte auch ein Besuch in einer von Bielefelds Partnerstädten, genau gesagt des Stadtteils Senne, Concarneau nicht fehlen. Die "Ville-Close", die von Mauern vollständig umschlossene Altstadt ist auf alle Fälle einen Besuch wert, den Rest der Stadt darf ruhig vernachlässigt werden.

Als nächster Haltepunkt war einer der bekanntesten Leuchttürme Frankreichs, der "Phare d'Eckmühl" vorgesehen. Er ist mit seinen 60 Metern Höhe einer der höchsten Leuchttürme Europas. Zuvor war aber noch der Besuch einer der ältesten Pfarrkirchen Frankreichs vorgesehen. Diese lag direkt auf dem Weg und war somit kein Umweg.

Zum Schluss der heutigen Besichtigungsrunde ging es dann an das "Ende der Welt", wie das Finisterre (lat. finis terrae) auch bezeichnet wird. Nach dem "Pointe du Raz" kommt nur noch die "Île de Sein" und danach der amerikanische Kontinent.

Das Wetter hatte bislang den ganzen Tag gehalten, doch auf dem Rückweg nach Douarnenez gab es noch mal eine richtige Schüttung. Wie aus dem Nichts ging es los. Fingernagelgroße Regentropfen prasselten nieder. Obwohl wir sofort anhielten und uns in die Regenkombis warfen, waren wir ruckzuck durchgeweicht. Kaum waren wir in den Regensachen hörte es auch wieder auf. Aber wir sind ja schließlich nicht aus Zucker.

 

11. Tag: Douarnenez - Nantes            (Karte)
350 Kilometer

Heute wollten wir uns die Südküste der Bretagne anschauen, nachdem wir tags zuvor schon einen kleinen Abstecher dahin gemacht hatten. Auf dem Weg in Richtung "Golfe du Morbihan" lagen Pont-Aven und Quimperlé. Pont-Aven ist bekannt durch den Maler Paul Gauguin, der dort lange Zeit gelebt hat. Größere Sehenswürdigkeiten haben beide Orte nicht zu bieten, durch Pont-Aven sind wir durchgefahren - ganz nett - und Quimperlé war aufgrund einer Veranstaltung komplett gesperrt.

Bevor wir jedoch auch nur in die Richtung kamen, mussten wir schon wieder die Regenkombis aus den Taschen holen. Der Regen wurde schließlich immer heftiger, so dass in Carnac die Gullis durch die Wassermassen herausgedrückt wurden. Diese Schüttung warteten wir dort erst einmal ab, bevor wir uns die Megalithfelder anschauten. Obelix hat hier offensichtlich ganze Arbeit geleistet und alle Hinkelsteine, die er finden konnte, schön säuberlich aufgereiht. Ca. 3000 Stück sollen es sein.

In Vannes, am nördlichen Ende des Golfs gelegen, hörte es auf zu regnen und wir konnten uns in Ruhe die Innenstadt anschauen. Auch in Vannes ist viel altes Fachwerk erhalten geblieben. Wir haben in der Bretagne eigentlich alle Spezialitäten gekostet, bis auf Austern. In der Markthalle von Vannes ergriff ich dann die letzte Gelegenheit (meine Frau weigert sich bis heute beharrlich) und sprach einen Fischhändler darauf an. Er war zunächst ein wenig verblüfft, es entwickelte sich jedoch ein nettes Gespräch, bei dem er mir dann eine Auster öffnete und ein Messer in die Hand drückte. Der Geschmack schließlich war einfach nur hervorragend, festes Muschelfleisch und leicht salzig. Es war nicht meine letzte Auster.

Nach Vannes wollten wir über Saint-Nazaire nach Nantes fahren, insbesondere um uns die imposante Brücke über die Loire-Mündung anzuschauen. Es hatte mal wieder angefangen zu regnen und zahlreiche Umleitungen in Saint-Nazaire verhinderten, dass wir auch nur in die Nähe der Brücke kamen. Dann eben auf anderen Weg nach Nantes. Schnell buchten wir über das Internet ein Hotel in Nantes. Auch hier eine große Umleitung rund um das Hotel, so dass wir zunächst überhaupt nicht an die Straße herankamen. Zum Schluss hatte ich die Nase voll und fuhr ein kurzes Stück entgegen der Einbahnstraßenregelung. Anders wäre es wahrscheinlich auch nicht gegangen.

350 Kilometer überwiegend im Regen machen müde. Als erstes waren eine Dusche und danach viele Getränke notwendig. Nachdem der erste Durst erst einmal gestillt war machten wir uns auf den Weg in die City. Nach der obligatorischen Stadtbesichtigung machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Wir hatten keine große Lust auf Restaurant und Wein, somit suchten und fanden wir ein kleines nettes Bistro mit Burger und Bier. Auf dem Rückweg zum Hotel stießen wir noch auf ein Open-Air-Konzert, wo wir uns erst einmal hinsetzten und zuhörten. Denn pünktlich bei unserer Ankunft in Nantes hatte es mal wieder aufgehört zu regnen.

 

 

 

 

12. Tag: Nantes - Orléans                (Karte)
318 Kilometer

Der Blick auf den Regenradar verhieß nichts Gutes. Eigentlich war der Plan, gemütlich an der Loire entlang zu fahren und einen Blick auf das ein oder andere der vielen Schlösser zu werfen. Daraus wurde nichts. Wir hatten wohlweislich schon vor der Abfahrt die Regenkombis angezogen, zu Recht. Unwetterähnliche Regengüsse begleiteten uns die ersten 200 Kilometer bis kurz vor Blois. Danach wurde es etwas besser. Den ein oder anderen Schauer nahmen wir trotzdem noch mit. Wir waren froh, gegen 14:30 Uhr in Orléans anzukommen und uns aus den nassen Regenkombis zu pellen. Nach der Dusche und einer kurzen Entspannungsphase ging es zum Sightseeing in die Stadt der Jeanne d'Arc. Auch hier ließ zum Abend der Regen nach. Wir hätten gerne während der Motorradtouren etwas besseres Wetter gehabt.

 

 

13. Tag: Orléans - Nancy                 (Karte)
386 Kilometer

Man merkt, dass wir auf dem Heimweg sind. Der heutige Tag ist eine reine Überführungsetappe ohne Zwischenstopp. Die Luft ist auch langsam heraus, man merkt die Anstrengungen der vergangenen Tage. Glücklicherweise spielte heute einmal das Wetter mit und wir kamen trocken von Orléans nach Nancy.

Nancy selbst hat einen schön gestalteten Hauptplatz, den "Place Stanislas", um den sich in herrschaftlichen Bauten das Rathaus, das Theater und die Oper gruppieren. Daran schließt sich ein großer öffentlicher Park an. Außer zweier Kirchen und einem alten Stadttor hat Nancy aber nicht viel zu bieten und wirkt auf Besucher auch nicht sonderllich ansprechend.

 

14. Tag: Nancy - Kelkheim              (Karte)
352 Kilometer

Auf dem Weg nach Hause war noch einmal eine Rast im Taunus geplant. Neben unser dort wohnhaften Verwandtschaft war ein befreundetes Eherpaar letztes Jahr von Bielefeld nach Kelkheim gezogen. Hier wollten wir einen kleinen Besuch machen und dort auch übernachten.

Der Weg führte zunächst an Metz vorbei bis an die deutsche Grenze, die wir bei Saarlouis passierten. Quer durch das Saarland fuhren wir zunächst nach Idar-Oberstein, wo wir hofften , ein kleines Mittagessen einnehmen zu können. Mineralien findet man in Idar Oberstein reichlich, ein geöffnetes Restaurant zur Mittagszeit dagegen nicht. Offensichtlich lagen diese gut versteckt vor hungrigen Touristen. In Kirn wurden wir schließlich fündig. Weiter sollte es in Richtung Bad Kreuznach gehen. Wir waren gerade aus Kirn heraus, da stießen wir auf einen ellenlangen Stau, bedingt durch eine Großbaustelle. Also umfahren. Glücklicherweise befand sich am Wegesrand gerade ein Briefträger, die sich ja bekanntlich in der Gegend auskennen sollten. Dieser empfahl uns einen rund 20 Kilometer weiten Umweg über Meisenheim, da die Staulänge in der Regel immer mindestens 8 Kilometer beträgt und man mindestens mit einer Verzögerung von einer Dreiviertelstude rechnen muss. Der Tipp war goldrichtig und wir kamen problemlos wieder auf unsere Route und konnten über Mainz in den Taunus fahren.

 

15. Tag: Kelkheim - Bielefeld         (Karte)
292 Kilometer

Die Heimfahrt erfolgte wie gewohnt durch den Taunus, an der Burg Braunfels vorbei nach Leun. Bislang waren wir immer über Herborn und Dillenburg ins Sauerland gefahren, diesmal wies uns unser Navi einen anderen Weg. Es ging durch das Dauphtetal nach Biedenkopf, einer supertollen Motorradstrecke. Diesen Weg merken wir uns für die zukünftigen Fahrten in den Taunus. Über Winterberg ging es dann zurück nach Bielefeld, wo wir gegen 14:30 Uhr ankamen.

 

Fazit:

Wir waren insgesamt 15 Tage unterwegs und haben in dieser Zeit genau 3.907 Kilometer zurückgelegt. Es war zum Schluss anstrengend und man begann, seine Knochen zu spüren.

Wir haben unheimlich viel gesehen und es wird sicherlich noch einige Zeit brauchen, den ganzen Input aufzunehmen und zu verarbeiten.

In Belgien gibt es wunderschöne Städte, wo es sich lohnt, noch einmal für einen längeren Aufenthalt hinzufahren. Einige Stunden reichen hier definitiv nicht.

Die Normandie und die Bretagne haben uns absolut überzeugt. Auch hier konnten wir nur einen Bruchteil von dem sehen, was beide Landstriche zu bieten haben. Aber man kann wiederkommen und gezielt sich den ein oder anderen Ort suchen.

Das Wetter war mehr als durchwachsen. Ich habe nun verstanden, dass die Bretonen sagen, dass sich das Wetter bis zu fünf Mal am Tag ändert. Wir haben es erlebt. Aber wir fahren schließlich Motorrad und können auch mit nicht ganz so schönem Wetter leben.

Es war insgesamt eine super tolle Tour!